Bauhaus-Universität Weimar

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Emil Tonn. 
Die Helligkeitskurve und die Elementarempfindungskurven. 
Der Erste, welcher Helligkeitsmessungen für die verschie¬ 
denen Teile des Spektrums ausführte, war Fraunhofer. Die 
von ihm erhaltene Kurve ist bekannt und der von K. v. Vierordt 
etwa 50 Jahre später gefundenen ähnlich. In neuerer Zeit 
hat Hr. Brodhun1 unter Erkennung des Einflusses, den das 
PuRKlNJEsche Phänomen ausübt, bei hoher Intensität die 
Helligkeitskurven für sich („Grünblind“), Hrn. Kitter („Rot¬ 
blind“) und Hrn. König (normaler Trichromat) bestimmt. Er 
fand zwischen den Kurven des Grünblinden und des Normalen 
eine so grofse Übereinstimmung, dafs sie für zwei Personen 
desselben Systèmes nicht besser zu erwarten war; davon wich 
die des Kotblinden erheblich ab. 
Bei Vergleichung seiner Helligkeitskurve mit den Elementar¬ 
empfindungskurven wurde Hr. Brodhun zu der Vermutung ge¬ 
führt, dafs die Intensitätskurve mit der "FF,-Kurve übereinstimmt. 
Die von Hrn. Brodhun veröffentlichte Intensitätskurve des 
Hrn. Ritter läfst sich, da die Beobachtungen an einem ähnlich 
gebauten Apparate gemacht waren, vergleichen mit den auf Tafel I 
angegebenen Elementarempfindungskurven ; und da ist die Ähn¬ 
lichkeit der Intensitätskurve mit der IF2-Kurve nicht zu verkennen. 
Das schon oben angeführte PuRKlNJEsche Phänomen giebt 
uns nun ein Mittel, die Vergleichung der Intensitätskurven mit den 
IF-Kurven weiter fortzusetzen. Das nach seinem Entdecker 
benannte Phänomen besteht darin, dafs gleich helle, aber ver¬ 
schieden gefärbte Felder bei gleichmäfsiger Änderung der ob¬ 
jektiven Intensität ungleich hell werden und dafs dabei die 
kurzwelligere Farbe die geringere Helligkeitsänderung erleidet. 
Dieses Phänomen wurde später von Dove, Grailich und Aubert, 
und für Spektralfarben besonders eingehend von den Hrn. 
H. v. Helmholtz und Brodhun untersucht. Der Letztere fand 
I. dafs dieses Phänomen sich nur bei niedrigen Intensitäten 
zeigt, und zwar mit stärkerer Verringerung derselben immer 
auffallender, und sich bei höheren Intensitäten die scheinbaren 
Helligkeiten aller homogenen Lichtarten proportional ändern, 
und 2. dafs es sich viel tiefer in das Spektrum hinein erstreckt 
(vom Violetten bis ins Gelbe, etwa bis 570 fi[i) als man bisher 
angenommen hatte. Diese Resultate galten sowohl für das 
dichromatische, als für das trichromatische System (Hr. König). 
1 E. Brodhun, Beiträge zur Farbenlehre. Berlin 1887.
        

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