Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
I. A. Lalande: Sur les paramnésies, II. Dugas: Observations sur la fausse mémoire, III. B. Bourdon: La reconnaissance de phénomènes nouveaux. Rev. Philos. Bd. 36, S. 485–497, Nov. 1893, Ebda., Bd. 37, S. 34–45, Jan. 1894, Ebda., Bd. 36, S. 629–631, Decbr. 1893
Person:
Giessler
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15536/1/
Litteraturbericht. 
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Zeit, als jenem, weil er eben das Bild als Ganzes simultan im Gedächtnis 
hatte und gewissermafsen ablesen konnte, während Inaudi die successiven 
Gehörserinnerungen kombinieren mufste. J. Cohn (Leipzig). 
A. Lalande. Sur les paramnésies. Rev. philos. Bd. 36. S. 485—497. 
(Nov. 1893.) 
Dugas. Observations sur la fausse mémoire. Ebenda. Bd. 37. S. 34—45. 
(Jan. 1894.) 
B. Bourdon. La reconnaissance de phénomènes nouveaux. Ebenda. 
Bd. 36. S. 629—631. (Decbr. 1893.) 
Alle drei Abhandlungen behandeln dasselbe Thema, die Paramnesie 
oder Erinnerungstäuschung. Diese besteht in der Illusion, dafs man 
glaubt, man nehme zum zweiten Male ein Schauspiel, eine Redensart, 
eine Lektüre oder irgend ein anderes Zusammensein von Empfindungen 
wahr, während doch alles dieses in Wirklichkeit neu ist. Die Paramnesie 
charakterisiert sich durch das Wiedererkennen aller Einzelheiten des 
Schauspiels oder des wahrgenommenen Objekts. Z. B. wird man hei einer 
Landschaft nicht nur die allgemeinen Umrisse, sondern jeden Baum, 
jedes Blatt, jede Wolke, jeden Sonnenstrahl wiedererkennen. Die Er¬ 
scheinung ist begleitet von einem peinlichen Affekt. Manche Personen 
empfinden eine Unruhe oder einen Druck in der Brust, andere eine Art 
von Schwindel. Ein Herr glaubte, Amsterdam wiederzuerkennen, obwohl 
er zum ersten Male in den Strafsen umherwandelte. Ein anderer bemerkt 
eine Frau, welche ihm entgegenkommt. Bevor er, durch seine Kurz¬ 
sichtigkeit beeinträchtigt, im stände ist, ihre Züge zu unterscheiden, 
empfindet er eine Erschütterung und merkt, dafs er sie schon einmal 
gesehen hat. Er empfindet ein Gefühl der Erwartung bis zu dem Augen¬ 
blicke, wo er ihre Züge und Kleidung unterscheiden kann, welche ihm 
vollkommen bekannt erscheinen. 
Das Subjekt erkennt aber nicht allein die Thatsachen wieder, sondern 
es sieht die Folgen derselben voraus oder meint, sie vorauszusehen. Ein 
Physiker, welcher zum ersten Male einem bestimmten Schauspiele bei¬ 
wohnte, erkannte alle Einzelheiten wieder. Ein an Paramnesie leidender 
Militärarzt wohnte einem Schauspiele bei. Als ein Schauspieler eine 
Tirade begann, sagte er sofort die ersten Sätze davon seinem Freunde. 
Die Paramnesie ist so weit verbreitet, dafs man sie nicht als ein 
pathologisches Phänomen ansehen kann. Sie kommt häufig bei gesunden 
Leuten vor, und zwar bei Leuten jeden Standes, Alters und Geschlechtes. 
Sie wird hervorgerufen durch eine Erregung der geistigen Funktionen 
und ist das Resultat einer übermäfsigen Anstrengung des Geistes. Auch 
bei der Müdigkeit kommt sie vor, wenn dieselbe, wie nach einem langen 
Marsche, nach einer intellektuellen Arbeit eine erregende ist. 
Anjel (Arch. f. Psychiatrie. Vol. VIII) erklärt die Erscheinung 
folgendermafsen : 
Möglicherweise gehen Empfindung und 'Wahrnehmung in diesem 
Falle getrennt vor sich, nicht, wie sonst, dicht hintereinander. Die 
Empfindungen werden bei ihrem Auftreten vom Geiste nicht sogleich 
organisiert und lokalisiert. Wenn er dann endlich diese Arbeit vollbringt,
        

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