Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Alfred Lehmann: Über die Beziehung zwischen Atmung und Aufmerksamkeit. Philos. Stud. Bd. IX, S. 66–95
Person:
Martius, Götz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15534/2/
ZÀtteraturbericht. 
221 
Beziehung ist eine so indirekte, dafs es von vornherein nicht berechtigt 
ist, bestimmte psychische Einzelerscheinungen in direkter Abhängigkeit 
vom Atmungsprozefs anzunehmen. Bei dem Rhythmus in Musik und 
Metrik, noch mehr bei den Affekten ist die Beziehung zwischen Atmung 
und psychischer Erscheinung verständlich, nicht so hier. Die Gehirn- 
hvperhämien, welche bei Lehmann die Brücke sind, sind doch ebenfalls 
ganz allgemein Bedingungen für jede Bewufstseinserscheinung. Es 
würde kaum gelingen, die Associationen und das Tempo des Vorstellungs¬ 
verlaufes als Punktion des Tempos der Atmung zu erweisen, ein Versuch, 
der auf genau gleichem Boden mit demjenigen L.’s stehen würde. Aus 
der allgemeinen Abhängigkeit eine Abhängigkeit im engeren direkten 
Sinne zu machen, ist ein Sprung, der nur auf direkte Beweise hin 
gewagt werden darf. Als solcher kann nur gelten, wenn die Zeiten 
einer Phase der Atmung mit denjenigen einer Sinnesschwankung als 
konstant übereinstimmend sich ergäbe, wenn Änderungen der Atmungs¬ 
perioden mit solchen der Schwankungsperioden in erkennbarer Weise 
verbunden wären. 
Mit dieser Forderung ist der zweite gefährliche Punkt des Unter¬ 
nehmens L.’s berührt. Vergleicht man zwei periodische Erscheinungen 
ganz heterogener Art, so wird es nicht schwer sein, eine Beziehung 
zwischen ihren Zeiten experimentell zu finden und graphisch darzustellen. 
Es beruht ja darauf die graphische Methode selbst. Die Perioden und 
Geschwindigkeiten der Umdrehung der Kymegraphiontrommel treten in 
Beziehung zu denen der Atmung; eine solche Beziehung ist aber darum 
keine Abhängigkeitsbeziehung. Vergleicht man eine regelmäfsig perio¬ 
dische Erscheinung, wie das Atmen mit unregelmäfsig periodischen 
Erscheinungen, wie die Sinnesschwankungen, so ergiebt sich ebenfalls 
unter allen Umständen eine Beziehung, die darum aber auch noch keine 
Abhängigkeitsbeziehung ist. Je nach dem Grade der Unregelmäfsigkeit 
des einen Vorganges und dem Zeitverhältnis der Perioden werden sich 
Maxima und Minima des Zusammenfallens bestimmter Phasen der beiden 
Reihen ergeben. Bestimmte Abhängigkeiten derselben von einander wären 
nur anzunehmen, wenn eine alle Zufälligkeit ausschliefsende konstante 
Beziehung sich herausstellt. Die gesamten Versuchsergebnisse ent¬ 
sprechen aber dem Bilde, welches die nur zufällige Beziehung der zwei 
Reihen erwarten läfst. Maxima und Minima der Reaktionen verteilen sich 
auf Inspiration, Exspiration und Ruhepause (Fig. 7), es ist kein Punkt 
der Atmungskurve durch ein konstantes Maximum oder Minimum aus¬ 
gezeichnet. Auch die Ergebnisse beim elektrischen Reize, die zunächst 
günstiger erscheinen, bieten das gleiche Bild. Der Umstand, dafs die 
ganzen Perioden hier nahezu übereinstimmen, beweist allein gar nichts, 
sondern hätte gerade zur Vorsicht mahnen müssen. Die von L. auch 
hier festgestellte Abhängigkeit der Intermissionen von den Intensitäten 
(das wertvollste Ergebnis der Arbeit) schliefst schon die Verteilung des 
Eintretens der Schwankungen über die ganze Atmungsperiode ein. Die 
Regelmäfsigkeit, welche Verfasser in Figur 3 (Taf. I) finden will, vermag 
Referent nicht zu entdecken, und bei den momentanen Versuchen ist der 
Unterschied zwischen den beiden Reagenten (Fig. 8 und 9) ein so grofser,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.