Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Alfred Lehmann: Über die Beziehung zwischen Atmung und Aufmerksamkeit. Philos. Stud. Bd. IX, S. 66–95
Person:
Martius, Götz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15534/1/
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Litter aturbericht. 
den der Verfasser bei einem melancholischen Manne ausführlich beschreibt, 
mit dem Unterschiede, dafs bei ihm die Empfindung des Durchnäfst- 
seins von Kopf bis zu den Füfsen auch spontan, und an unbe¬ 
deckten Teilen, im Gesicht, an den Händen, — bei objektiv wahrnehm¬ 
barer Trockenheit der Haut — sich einstellt. Wie dort, werden feucht 
oder glatt miteinander verwechselt, warm und kalt aber genau unter¬ 
schieden. Aufserdem wurde, wie in Ramadiers zweitem Falle, eine leise 
Gehörsstörung auf beiden Ohren beobachtet. 
Aus diesen Thatsachen folgert Tambroni, dafs das Feuchtigkeits¬ 
gefühl eine von den übrigen Qualitäten unabhängige Störung sei, 
lokalisiert an der Basisrinde der grofsen Hemisphären, da bei der Sektion 
des an Enteritis Verstorbenen Erweichung am vorderen unteren 
inneren Teile des Schläfen-Keilbeinlappens beider Hälften ge¬ 
funden wurde. Fraenkel. 
Alfred Lehmann. Über die Beziehung zwischen Atmung und Aufmerk¬ 
samkeit. Philos. Stud. Bd. IX. S. 66—95. 
Auf dem psychologischen Kongrefs in London hatte A. Lehmann 
bereits Mitteilungen von Versuchen gemacht, welche die Abhängigkeit der 
bekannten sogenannten Aufmerksamkeitsschwankungen und ihrer Perioden 
von der Atmung darthun sollten. Von Herrn Schäfer wurde bei der 
Diskussion auf die Unwahrscheinlickeit einer solchen Annahme vom 
physiologischen Standpunkte aus hingewiesen, während Referent die von 
ihm mitH.MARBE gemachten und von diesem später mitgeteilten Versuche 
{Philos. Stud. Bd. VIII. S. 615) entgegenhielt, nach welchen die Schwankungen 
eine deutliche Abhängigkeit von der Stärke der gewählten Reize zeigen 
und die Intermissionen der Empfindung mit abnehmender Intensität des 
untersuchten Reizes zunehmen. Inzwischen waren auch die denselben 
Gegenstand behandelnden Arbeiten der Herren Eckener und Pace 
erschienen. {Philos. Stud. Bd. VIII.) 
Die jetzige Veröffentlichung des Herrn Verfassers stellt in ihrem 
zweiten Teile ebenfalls die Abhängigkeit der Schwankungen von der Reiz¬ 
stärke fest, ohne die Arbeit des Herrn Marbe mit einem Worte zu er¬ 
wähnen; im ersten Teile sucht sie den Einflufs der Atmung auf die 
Schwankungen durch neue Versuche zu erhärten. Vorausgeschickt ist 
eine Kritik früherer Arbeiten, namentlich der von Münsterberg und 
Eckener. Die ansprechende Versuchsanordnung bestand in zwei MAREYSchen 
Schreibapparaten, durch welche unmittelbar untereinander die Atmungs¬ 
kurve und die Reaktionen auf die Empfindungsschwankungen verzeichnet 
wurden. Untersucht wurden akustische, optische und elektrische Reize. 
Der Verfasser deutet die Ergebnisse nach unserer Ansicht allzu 
optimistisch zu Gunsten seiner Hypothese. Dieselbe entstammt einer 
Erklärungsart, die in doppelter Weise Gefahren in sich schliefst. Einmal 
ist der Atmungsprozefs, so wesentlich er als wichtigste Lebensbedingung 
auch für das Gehirnleben ist, doch als rein physiologische Erscheinung 
so weit von den eigentlichen psychophysischen Processen entlegen, die
        

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