Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Kirschmann: Die Farbenempfindung im indirekten Sehen. Erste Mitteilung. Philos. Studien. VIII, 4, S. 592–614, 1893
Person:
Hess
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15525/1/
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Litter aturbericht. 
wie die eben erwähnten Forscher. Bei rotierenden Scheiben haben wir 
es nicht nur mit Helligkeitswechsel zu thun, sondern auch mit Konturen¬ 
bewegung, mit Ortsveränderung von verschiedenen Geschwindigkeiten. 
Darin liegt die Möglichkeit einer Fehlerquelle, die entweder zu ver¬ 
meiden ist, oder deren Einflufs zuvor durch besondere Experimente eruiert 
werden müfste. W. Stern (Berlin). 
A. Kirschmann. Die Farbenempfindung im indirekten Sehen. Erste 
Mitteilung. Philos. Stud. VIII. 4, S. 592—614. (1893.) 
K. stellt gröfsere Versuchsreihen an, zum Teile nach altbekannten 
Methoden, zum Teile nach anderen, deren Wert hinter den bekannten 
und bewährten zurücksteht. 
K. fafst die Ergebnisse seiner Versuche in neun Hauptpunkten 
zusammen. Ein Teil derselben enthält lediglich eine Bestätigung 
altbekannter, von Niemandem angezweifelter Thatsachen. Z. B. „4. Das 
Verhalten der peripherischen Retina ist nach verschiedenen Richtungen 
vom Centrum aus ein ganz verschiedenes ... 6. Die Zonen für Gelb 
und Orange fallen zum Teil auseinander ... 7. Die Farbenempfindung 
des indirekten Sehens ist in gewissem Grade von der Gröfse der farbigen 
Flächen abhängig.“ 
Ein anderer Teil enthält leicht zu widerlegende Irrtümer. So 
z. B. „3. Die Wahrnehmungsbezirke für Rot und Grün, resp. Purpur 
und Grün im indirekten Sehen fallen ebensowenig zusammen, wie 
diejenigen für Blau und Gelb. Dies spricht entschieden gegen die 
Richtigkeit der HERiNGSchen Hypothese. Die Thatsache aber, dafs Blau 
den gröfsten, Violett den kleinsten Empfindungskreis besitzt, während 
die Grenzen der Rot-, resp. Purpurwahrnehmung sich zwischen denjenigen 
der Farben Blau und Violett bewegen, läfst sich weder mit der Hering- 
schen, noch mit der HELMHOi/rzschen Theorie in Einklang bringen.“ 
Bei der Wahl der Pigmente zur Untersuchung hat K. es unterlassen, 
gleichwertige Farbentöne herzustellen. Es ist neuerdings von ver¬ 
schiedenen Seiten vielfach auf die Fehler aufmerksam gemacht worden, 
die entstehen müssen, wenn diese Mafsregel aufser acht gelassen wird 
(K. begnügt sich, bei einer Versuchsreihe „zwei annähernd auf gleiche 
Helligkeit ahgestufte Kombinationen“ zu benutzen); es ist daher un¬ 
mittelbar einleuchtend, dafs für eine Vergleichung der Grenzen der 
Rot- und Grünempfindung einerseits, der Blau- und Gelbempfindung 
andererseits die K.’schen Versuche wertlos sind. Aber seihst wenn 
die Grenzen für Rot und Grün, bezw. Blau und Gelb wirklich nicht 
zusammenfielen, so würde dies durchaus nicht gegen die Hering'scIm 
Theorie sprechen. 
Unverständlich ist auch die Angabe K.s (siehe auch S. 609), die 
Thatsache, dafs Violett den kleinsten Empfindungskreis besitzt, spreche 
gegen die HERiNGSche Theorie. Kirschmann motiviert auch seine Be¬ 
hauptung nicht. 
Die Schlufsthese Kirschmanns lautet: Zwischen der partiellen Farben¬ 
blindheit und der Farbenempfindung im indirekten Sehen besteht nur 
eine oberflächliche Ähnlichkeit.
        

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