Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
K. Marbe: Die Schwankungen der Gesichtsempfindungen. Zur Lehre von den Gesichtsempfindungen, welche aus succesiven Reizen resultieren. Dissertation. Phil. Stud. VIII. Bd. 4. Heft, S. 615–637, 1893, Bonn. Auch: Phil. Stud. IX. Bd. 3. Heft, S. 384–399, 1893
Person:
Stern, L. William
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15524/2/
Litter a turbericht. 
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suckling dagegen wendet sich gegen Münsterberg. Dieser führte die 
Intermissionen auf Ungleichmäfsigkeiten der Accommodation zurück. 
Der Punkt, bei bester Accommodation eben noch wahrnehmbar, müsse 
bei dem geringsten Nachlassen derselben verschwinden. Marbe unter¬ 
suchte nun an rotierenden Scheiben die Abhängigkeit der Schwankungen 
von der Differenz der Reize und bewies, dafs nicht nur unmittelbar 
au der Unterschiedsschwelle die Intermissionen stattfänden, sondern 
innerhalb eines ziemlich beträchtlichen Gebietes. „Die Sichtbarkeits¬ 
phasen nehmen mit wachsendem Unterschied innerhalb der fraglichen 
Grenzen zu. Die Dauer der Schwankungen ist eine Funktion dieser 
Zunahme“, und zwar in der Mitte jenes Gebiets am kleinsten. — Be¬ 
merkenswert ist das Verhalten der Netzhautperipherie. Bei ganz geringem 
Reizunterschied tritt dort zuerst die Sichtbarkeit ein. Dagegen finden 
bei gröfseren Differenzen dort noch Intermissionen statt, wenn sie im 
Centrum schon aufgehört haben. M. führt die erstere Erscheinung auf 
die gröfsere Empfindlichkeit der seitlichen Netzhautpartieen zurück; die 
zweite, wofür er keine Erklärung fand, scheint mir in engem Zusammen¬ 
hänge zu stehen mit der Thatsache der schnelleren Ermüdung jenes 
Retinagebietes. 
Die zweite Arbeit M.’s behandelt gewissermafsen das entgegengesetzte 
Problem: Konstanz der Empfindung bei fortwährendem Wechsel des 
Reizes. Er stellte sich die Aufgabe, bei intermittierenden Netzhautreizen 
diejenigen Beziehungen zwischen Reizintensitäten und Reizdauern fest¬ 
zustellen, unter welchen Verschmelzung eintritt. Aus den ausführlich 
veröffentlichten Tabellen gewinnt er folgende Ergebnisse: 
„I. Die für die Verschmelzung zweier Reize zu einer konstanten 
Empfindung erforderlichen Gesamtdauern nehmen mit wachsenden Intensi¬ 
täten ab, und zwar ungleich langsamer, als die entsprechenden Intensitäten 
wachsen.“ 
„II. Die erforderlichen Unterschiede der beiden Dauern nehmen 
mit wachsenden Intensitäten zu, und zwar ungleich schneller, als die 
entsprechenden Intensitäten wachsen.“ 
„III. Die erforderlichen Unterschiede der Dauern nehmen mit 
wachsender Gesamtdauer zu, und zwar ungleich schneller, als die letztere.“ 
„lila. Es ist für die Verschmelzung günstiger, wenn die Dauer des 
intensiveren Reizes, als wenn die des weniger intensiven überwiegt.“ 
Die zweite und dritte Thatsache bilden entschiedene Bereicherungen 
unseres Wissens ; die erste giebt eine Bestätigung der Resultate Baaders,1 
die unter lila genannte hingegen ist dadurch bemerkenswert, dafs sie 
im Widerspruch steht zu den Ergebnissen der Experimente Bellarminows.2 
Die Arbeiten der beiden Letztgenannten finden übrigens bei M. keine 
Erwähnung und Berücksichtigung. — Bei einer Wiederholung derartiger 
Versuche würde es sich empfehlen, von der direkten Beobachtung 
rotierender Scheiben abzugehen und ähnliche Hülfsmittel zu benutzen, 
1 Baader, E. G., Über die Empfindlichkeit des Auges für Lichtwechsel. 
Dissert. Freiburg 1891. 
s Bellarminow, L., Über intermittierende Netzhautreizung. Graefes 
Arch. 1889.
        

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