Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Edmond B. Delabarre: L'influence de l'attention sur les mouvements respiratoires. Rev. philos. 1892, No. 6, S. 639-649
Person:
Pilzecker, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15507/2/
Litteraturbericht. 
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vielmehr kurz, oberflächlich, aber regelmäfsig wurde. Auch für Zeit- 
sinnversuche hat Verfasser die Atmung registriert, und glaubt er den 
Münsterbe Röschen Satz bestätigen zu können, wonach, wenn die Phasen 
der Atmung bei Hauptzeit und Fehlzeit übereinstimmen, die Schätzungen 
exakter ausfallen, als wenn Haupt- und Fehlzeit von verschiedenen 
Atmungsphasen begleitet sind. Der Einfluss der intellektuellen Aufmerk¬ 
samkeit auf die Atmungskurve bestand ebenfalls in einer Beschleunigung 
bei grofser Regelmäfsigkeit und Oberflächlichkeit. Wurden weiter der 
Versuchsperson Gehörs- resp. Tastreize gegeben mit der Weisung, mög¬ 
lichst nicht darauf zu achten, so wurde, im Falle die Aufmerksamkeit 
der Versuchsperson dabei auf. nichts anderes fixiert war, eine geringe, 
war sie dagegen auf eine andere Empfindung oder einen geistigen Prozefs 
fixiert, eine sehr bedeutende Beschleunigung der Atmung konstatiert. 
Im allgemeinen zeigten Personen, deren normale Atmung schnell ging, 
geringere Veränderungen unter der Einwirkung des Zustandss der Auf¬ 
merksamkeit als solche mit langsamer Atmung. 
A. Pilzecker (Göttingen). 
W. A. Turner. A Case of Cornet Players Cramp. The Lancet. 29. April 
. 1893. S. 995. 
i Ein Kornetbläser, der seit seinem neunten Lebensjahre in einer 
Musikbande beschäftigt war, leidet seit zwei Jahren an Störungen in 
der Beweglichkeit der Zunge. Den einfachen, doppelten Zungenschlag 
kann er nicht mehr ausführen. Er ist weder Raucher noch Trinker 
und datiert den Anfang seines Übels von der Zeit her, wo nach der 
Influenza seine Gesundheit geschwächt war. Auf den galvanischen 
und faradischen Strom reagiert die Zunge, doch ist Heilung dadurch noch 
nicht erfolgt. Das Auffallendste ist, dafs der Bläser den Zungenschlag 
ganz gut ausführt, wenn er allein in seinem Zimmer ist, im Orchester 
jedoch, auf den Wink des Kapellmeisters, versagt diese Fertigkeit regel- 
. mäfsig. Der grofse Unterschied zwischen willkürlicher und auto¬ 
matischer Bewegung ist hier offenbar. Türner hält den Fall für eine 
Art Beschäftigungs-Neurose. 
Ich bemerke hierzu, dafs wohl die Erfahrung jedes Instrumentalisten 
an ähnlichen Vorfällen leichteren Grades reich ist. Der Triller des 
Klavierspielers, das Staccato unter demselben Bogenstrich des Violinisten 
unterliegen leicht ähnlichen temporären Störungen. Ja, wer irgend eine 
'Phrase, deren Ausführung er nicht vollständig beherrscht, von vornherein 
zu rasch ausführt, kann sich, so „überspielen“, dafs er diese und nur 
diese Phrase, schliefslich gar nicht mehr herausbekommt; so entsteht 
eine Art Stottern auf dem Instrument. Mit den. ernsteren Fällen von 
. Beschäftigungs - Neurose hat diese Erscheinung die Eigentümlichkeit 
gemein, dafs die Störung der feineren, subtilen Bewegungen isoliert 
bleibt und die gröberen Bewegungen unbeeinflufst läfst. 
Wallaschek (London).
        

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