Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Max Offener: Über die Grundformen der Vorstellungsverbindung. Psychologische Studie. Philos. Monatshefte, Bd. 28, S. 385-416 und 513-547, 1892
Person:
Stern, L. William
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15505/3/
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Lüteraturbericht. 
Bekämpfung Münsterbergs, der die Existenz jener Assosiationsart über¬ 
haupt geleugnet hat, seine Hauptaufgabe, indem er dessen theoretische 
Deduktionen zu widerlegen, seine Experimente umzudeuten sucht. 
Münsterberg behauptet: Scheinbar successive Associationen kommen 
dadurch zu stände, dafs die einzelnen aufeinanderfolgenden Vorstellungen, 
von sich gleichbleibenden Spannungszuständen oder Empfindungen be¬ 
gleitet würden, mit denen ,sie sich simultan associieren, und dafs diese 
Komplexe dann auf Grund jener übereinstimmenden Merkmale durch 
Ähnlichkeitsassociation verknüpft würden. 0. erwidert: Woher kommt 
es dann, dafs, wenn die successiven a, b, c und d mit dem konstanten m 
verbunden sind, sie in eben dieser Reihenfolge sich reproducieren? 
Könnte sich nicht md dann ebensogut an mb, wie an mc anschliefsen? 
Innehaltung der ursprünglichen Anordnung wäre dann die Ausnahme, 
nicht die Kegel, Eerner, angenommen, m bliebe sich nicht immer gleich, 
sondern verändere sich allmählich (amlt bm%, cma . .), so wäre zwar denkbar, 
dafs die Keihenfolge gewahrt bliebe wegen der zwischen den benach¬ 
barten Gliedern bestehenden gröfsten Ähnlichkeit ; viel wahrscheinlicher 
aber wäre es, wenn am, ein einer früheren Vorstellungsreihe angehöriges 
xm (wo ein Element gleich ist), als 6m2 (wo ein Element nur ähnlich ist), 
reproducierte. — Scheinbar successive Association wird nach M. ferner 
dadurch möglich, dafs die aufeinanderfolgenden Vorstellungen parallel 
liefen mit einer Keihe gleichzeitiger reflektorischer Bewegungen oder 
Bewegungsantriebe. Der hierdurch eingeübte und dann wiederholte 
Ablauf der Bewegungen führe durch simultane Association die ent¬ 
sprechenden Vorstellungen zurück. 0. sagt: Dadurch ist das Problem 
nur zurückgeschoben, denn der Ablauf der ' Bewegungen in gleicher 
Keihenfolge ist ebenso unerklärt, wie der der Vorstellungen. — Auf die 
Erage, wie die Association zweier successiver, verschiedenen Sinnes¬ 
gebieten angehöriger Eindrücke (z. B. Blitz und Donner) zu verstehen 
sei, antwortet M. : Der Gehörseindruck des Donners reproduciert durch 
Ähnlichkeit den Keizungszustand des Ohres im Augenblick des Blitzes, 
jener durch Simultaneität den Blitz. I 0. meint: Der Erregungszustand 
des Gehörs während des Blitzes hat wenig Anlage zum Keproduciert- 
werden, da er schwach und von der Aufmerksamkeit vernachlässigt sei ; 
vielmehr würde der Donner einen früheren Donner durch Ähnlichkeit 
reproducieren können, und so sei der Übergang zum Blitz nie gegeben. 
— Und nun zu Münsterbergs Experimenten. Bei denselben waren be¬ 
kanntlich successive Eindrücke vors Auge geführt worden, welche die 
Versuchsperson sich das eine Mal in jeder beliebigen Weise einprägen 
durfte, während sie das andere Mal gleichzeitig mit Kopfrechnen be¬ 
schäftigt war. Es stellte sich nun heraus, dafs im zweiten Palle die 
einzelnen Elemente ganz gut, ihre Keihenfolge aber viel schlechter be¬ 
halten wurde, als im ersten. M. folgerte nun so : Da in der zweiten 
Keihe jene (oben erwähnten) Bedingungen sorgfältig ausgeschlossen 
waren, welche eine scheinbare successive Association hätten herbei¬ 
führen können (insbesondere die Mitwirkung der parallelen Reihe der 
Sprachbewegungen), so fand überhaupt keine successive Association 
statt, d. h. eine solche im eigentlichen Sinne ist nicht möglich. Hier-
        

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