Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Th. L. Bolton: The growth of memory in school children. Americ. Journ. of Psychol. IV, S. 362-380, 1892
Person:
Schumann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15504/2/
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Litter aturbericiit. 
Zahl mit möglichst gleicher Betonung und in möglichst gleichen Inter¬ 
vallen einmal vorgelesen wurden mit der Aufforderung, dieselben im 
Gedächtnis zu behalten und auf ein bestimmtes Signal hin nieder¬ 
zuschreiben. Von den Schlufsfolgerungen, welche der Verfasser aus den 
Resultaten zieht, sind hauptsächlich die folgenden zu erwähnen: 
1. Der Umfang des Gedächtnisses überschreitet nicht die Zahl von 
sechs Ziffern; er wächst mit dem Alter der Kinder und ihrer Übung. 
2. Der Umfang des Gedächtnisses mifst die Fähigkeit der Kinder, 
ihre Aufmerksamkeit zu konzentrieren. 
. 3. Scharfer Verstand ist zwar öfter von einem grofsen Gedächtnis- 
umfang begleitet, aber durchaus nicht immer. 
4. Mädchen behalten besser, als Knaben. 
5. Beim Vergessen sind drei Stadien zu unterscheiden. Beim ersten 
Stadium verwirrt sich die Reihenfolge der Ziffern; heim zweiten fallen 
einige Elemente aus, indem sich andere dafür substituieren ; beim dritten 
tritt ein Verlust einiger Elemente ohne jeden Ersatz ein. 
6. Es ist eine Tendenz vorhanden, die Zahl der Vorstellungen zu 
überschätzen, wenn dieselbe auch nur wenig das Maximum des Gedächtnis¬ 
umfanges überschreitet, während die Zahl in der Regel unterschätzt 
wird. ; ; Schumann (Gottingen). 
Max Offnes. Über die Grundformen der Vorstellungsverbindung. 
Psychologische Studie. Philos. Monatshefte. Bd. 28. S., 385—416 und 
. ■ 513—547. (1892.) 
Eine verdienstliche Arbeit, die unter weitgehender Berücksichtigung 
der Litterätur und unter Beachtung der experimentellen Arbeiten 
dennoch mit Selbständigkeit die psychologische Entstehungsweise, der 
Associationen in ihren sämtlichen Hauptformen zu analysieren sucht. 
— Indem sich 0. sowohl . gegen die schulmäfsige Einteilung der 
Associationen, wie auch gegen diejenige Wundts wendet, .erkennt er als 
die Hauptarten der Vorstellungsverbindung nur die Association gleich¬ 
zeitiger und die aufeinanderfolgender Vorstellungen an. Zur, Erklärung 
der eigentlichen Simultanassociation glaubt er die psycho¬ 
physische Hypothese annehmen zu dürfen, dafs bei gleichzeitiger Er¬ 
regung zweier örtlich getrennter Ganglienkomplexe „der Process .auf 
diejenige Eeituügsbahn übergeht, welche beide Punkte verbindet“. 
Hierdurch wird feine funktionelle Disposition, der Ganglien und der 
Leitungsbahn en geschaffen, so dafs bei erneuter Erregung des einen 
Komplexes der Procefs wieder denselben Ablauf nimmt. Einige gegen 
eine derartige Lokalisation erhobene Bedenken sucht er zu entkräften. 
— Kur als eine Unterart der Simultanassöciation betrachtet Verfasser 
die sogenannte Association nach Ähnlichkeit, und seine scharfsinnigen 
Auseinandersetzungen über diesen Punkt verdienen besondere Be¬ 
achtung. Sehr gut unterscheidet er an dieser Vorstellungsverbindung 
zwei .Stufen. Die erste ist die eigentliche Ähnlichkeits¬ 
association. Eine gegenwärtige Vorstelluhgsgruppe enthält Ele¬ 
mente, die schon früher einmal als Bestandteile einer anderen Gruppe 
im Bewufstsein waren. Indem nun die Erregung, die jene gemeinsamen
        

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