Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
G. S. Fullerton and J. McKeen Cattell: On the Perception of small Differences. Philadelphia 1892
Person:
Schumann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15495/3/
Litteraturbericlit 
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schwelle diejenige Reizdifferenz zu betrachten haben, bei welcher der 
eintretende Empfindungskomplex iE, + E) das Ungleichheitsurteil gerade 
eben hervorzurufen vermag, vorausgesetzt, dafs weder Urteilstendenzen, 
die nicht von dem Empfindungskomplexe herrühren, noch andere zu¬ 
fällige Beobachtungsfehler vorhanden sind. 
Wie schon erwähnt, beziehen sich die experimentellen Unter¬ 
suchungen hauptsächlich auf die Schätzung von Armbewegungen, und zwar 
sind in gesonderten Versuchsreihen die Ausdehnung, die Kraft und die 
Zeitdauer der Bewegung geschätzt. Die Versuche über die Ausdehnung 
der Bewegung wurden mit horizontalen Fühlstrecken nach den Methoden 
der eben merklichen Unterschiede, der übermerklichen Unterschiede, 
(bezw. doppelten Reize), der mittleren Fehler und der r. u. f. Fälle an¬ 
gestellt. Von diesen vier Methoden wurden die drei erstgenannten auch 
bei der Untersuchung der Schätzung der Kraft der Bewegung benutzt, bei 
den Versuchen über die Schätzung der Zeit der Bewegung dagegen nur 
die Methode der mittleren Fehler. Die Methode der eben merklichen 
Unterschiede wurde in der 'Weise gehandhabt, dafs z. B. bei den Ver¬ 
suchen mit horizontalen Fühlstrecken die Versuchsperson zunächst eine 
gegebene Normalstrecke mit dem Zeigefinger der rechten Hand auszu¬ 
messen und dann durch Wiederholung der Bewegung eine Vergleichsstrecke 
herzustellen hatte, welche ihr eben gröfser, bezw. eben kleiner erschien. 
Zur Messung der Kraft diente ein von den Verfassern konstruiertes 
Federdynamometer. Die Versuche mit demselben wurden in der Weise 
ausgeführt, dafs die. Versuchsperson vor jeder Versuchsreihe sich zunächst 
auf einen Normalzug von bestimmter Gröfse (2, 4, 8, 16 kgr) einüben 
muste. Hierauf wurde sofort an die eigentlichen Versuche heran¬ 
gegangen, und die Versuchsperson hatte z. B. bei Anwendung der Methode 
der mittleren Fehler zunächst den eingeübten Normalzug zu wieder¬ 
holen und dann einen möglichst gleichen Vergleichszug auszuführen. 
In analoger Weise wurde auch bei den Versuchen über die Schätzung 
der Zeit der Bewegung die Versuchsperson vor jeder Versuchsreihe darauf 
eingeübt, eine Strecke von 50 cm in einer bestimmten Normalzeit (l/s, 1/i, 
Vs, 1 Sek.) zurückzulegen. Gemessen wurde die Zeit mit Hülfe von Vor¬ 
richtungen, welche die Verfasser neu konstruiert haben. 
Von den erhaltenen Resultaten sind hauptsächlich die folgenden 
zu erwähnen: 
1. Die nach der Methode der eben merklichen Unterschiede an- 
gestellten Versuche bestätigen die (wohl von fast allen Experimentatoren 
geteilte) Ansicht, dafs diese Methode wenig brauchbar ist. 
2. Bei den Versuchen mit übermerklichen Unterschieden ergaben 
sich sehr variable Resultate, die mit dem WEBERSchen Gesetze nicht 
übereinstimmen. 
3. Der mittlere Beobachtungsfehler wuchs nicht proportional der 
Gröfse des Reizes, sondern annähernd wie die Quadratwurzel desselben,. 
Aufserdem haben die Verfasser dann noch einige Versuchsreihen 
mit gehobenen Gewichten und succesiven Lichtreizen nach der Methode 
der r. u. f. Fälle ausgeführt. Bei den Versuchen mit gehobenen. Ge¬ 
wachten sollte nicht die Abhängigkeit des Beobachtungsfehlers von der
        

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