Bauhaus-Universität Weimar

Beiträge zur Theorie der psychischen Analyse. 
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tionsproblems eine neue, wenigstens von Nominalismuscontro- 
versen noch so gut wie unberührte Grundlage bietet; was für 
die Analyse recht ist, wird für einen speciellen Fall derselben 
am Ende docb nicht weniger als billig sein dürfen. 
Vergleicht man Analysen von der eben betrachteten A.rt 
mit den vorher untersuchten, so fällt als charakteristische 
Verschiedenheit in die Augen, dafs das Geschäft des Ana¬ 
lysieren manchmal einen einzigen Akt des Analysierens nötig 
hat, manchmal deren mehrere. Man kann mit Rücksicht 
hierauf sagen : Die Analyse ist entweder einfach oder zusammen¬ 
gesetzt. Erinnern wir uns zugleich noch einmal an jene 
Erkenntnisleistung, welche man, wie wir sahen, mit der Analyse 
in besonders enge Verbindung gebracht hat, die Mehrheits¬ 
erkenntnis, so ergiebt sich nun von selbst, dafs die einfache 
Analyse zwar zur Mehrheitserkenntnis unter besonders gün¬ 
stigen Umständen ausreichen kann, diese Umstände aber in 
der Regel eben nicht verwirklicht sind. Für Mehrheitsurteile 
kommt also zunächst die zusammengesetzte Analyse in Frage. 
Zugleich ist nun auch besonders leicht zu ermessen, wes¬ 
halb der Hinweis auf das Mehrheitsurteil unfähig ist, eine 
Definition für die Analyse abzugeben. Weder einfache noch 
zusammengesetzte Analyse ist Mehrheitserkenntnis; keine Art 
der Analyse kann mehr als Material zu solcher Erkenntnis 
beistellen. Wird, was die Analyse an Teilinhalten heraus¬ 
gehoben hat, nicht noch zusammengefafst, so bleibt jene Fun¬ 
dierung aus, als deren Ergebnis der Mehrheitsgedanke uns 
entgegentritt. Aber das Zusammenzufassende mufs nicht erst 
durch Analyse gewonnen sein; darum giebt es auch Mehrheits¬ 
erkenntnis ohne Analyse. Und das durch die Analyse Ge¬ 
wonnene mufs auch nicht zusammengefafst werden; es kann 
unbearbeitet bleiben oder zu anderen Komplexions- resp. 
Relationsvorstellungen und -urteilen verarbeitet werden, indem 
etwa das Herausanalysierte verglichen oder in . logischen Zu¬ 
sammenhang gebracht wird; in allen solchen Fähen liegt 
Analyse vor, aber keine Mehrheitserkenntnis. 
Schliefslich mufs bemerkt werden, dafs die Gegenüber¬ 
stellung von einfacher und zusammengesetzter Analyse mit 
Cornelius’ Unterscheidung von unmittelbarer und mittelbarer 
Analyse ganz und gar nicht zusammenfällt. Letztere ist 
durchaus aufgebaut auf der von Cornelius aécéptiêrten Défi-
        

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