Bauhaus-Universität Weimar

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A. Meinong. 
unentbehrlich. ; aber A. kann auch dem S unentbehrlich sein 
und doch der 23-Gedanke nichts von A in sich enthalten. 
Gleichwohl aber ist dies natürlich das Gebiet, wo etwaige 
Zeugnisse gegen das Extensionsprinzip zu suchen sein müfsten; 
und näher könnten solche . Zeugnisse in zweierlei Th'atsachen 
involviert erscheinen. Einmal darin, dafs ich etwas zwar in der 
Zeit denke, an seine Dauer aber nicht, denke; dann darin, 
dafs geradezu etwas zeitlich Punktuelles vorgestellt wird die 
obigen Beispiele geben die erforderlichen Illustrationen für 
beides. 
Dafs Fälle der zweiten Art nicht wohl beweisend sein 
können, davon überzeugt ohne weiteres das räumliche Analogon, 
falls man nicht auch vom räumlichen Extensionsprinzip deshalb 
Ausnahmen zulassen, will, weil die Geometrie von Punkten und' 
Linien handelt. In der That besteht hier der Schein von 
Schwierigkeiten nur so lange, als man, dem Sprachgebrauche 
des täglichen Lebens folgend, „sich etwas vorstellen“ für gleich¬ 
bedeutend nimmt mit „sich etwas anschaulich vorstellen“. Da¬ 
gegen führen die mancherlei Umwege, die dem unanschaulichen 
Vorstellen zu Gebote stehen,1 bei Raum wie Zeit zum Ziele, 
ohne dem Extensionsprinzip irgendwie Abbruch zu thun. 
Es bleiben sonach eigentlich nur noch die Fälle übrig, wo 
das Extensionsprinzip sozusagen ein Zuviel des Gedanken¬ 
inhaltes zu verlangen scheint. Ich nehme eine Farbe, einen 
Ton wahr; ich bin mir ihrer Gegenwärtigkeit wohl bewufst, 
denke aber nicht an ihre zeitliche Ausgedehntheit. Es. könnten 
hier noch schwächere, aber ihrer Verbreitung halber wichtige 
Fälle mit herangezogen werden, wo eine zeitliche Dauer wohl 
gedacht wird, aber nicht gerade die, welche durch das oben 
berührte Zeitanalogon zum subjektiven Raume bedingt ist; ich 
kann ja z. B. bald eine kürzere, bald eine längere Tonreihe 
als Melodie erfassen. Zugleich drängt sich nun aber besonders 
leicht bei den Fällen der letzten Art der Gedanke auf, der¬ 
gleichen anscheinende Inhaltsbeschränkungen möchten mit jenen 
auf gleiche Linie zu stellen sein, die wir in den vorangegangenen 
Untersuchungen als Einschränkungen nicht der Vorstellungs-, 
sondern der Urteilssphäre erkannt haben. 
1 Über den Gegensatz von Anschaulich und Unanschaulich vergl. 
meine Ausführungen über „Phantasievorstellung und Phantasie“, Zeitschr. 
f. Philos, u. philos. Kritik. 1889. Bd. 95. S. 200 ff.
        

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