Bauhaus-Universität Weimar

Beiträge zur Theorie der psychischen Analyse. 
447 
recht, wie diese Vorstellungen aussehen, wenn man so sagen 
darf. Will man sich den in dieser Weise vorgestellten Vorgang 
recht klar machen, so stellt man successiv mit möglichst ge¬ 
spannter Aufmerksamkeit die einzelnen Stadien des Vorganges 
vor; damit ist aber streng genommen neuerdings die Vorstellung 
der Teile an Stelle der Vorstellung des Glanzen gesetzt; wird 
dann auch wieder die ächte Vorstellung des Ganzen gebildet, 
so erweist sich die auf dieselbe gerichtete Reflexion so unfähig 
wie vorher, sie in ausreichend deutlicher Weise vor das Forum 
der inneren Wahrnehmung zu bringen. Ob hinter dieser auf¬ 
fallenden Thatsache eine Eigentümlichkeit der in Rede stehenden 
Vorstellungen oder ein Mangel der hier vertretenen Theorie 
steckt? Ich. weifs zur Beantwortung dieser Frage einstweilen 
eben nichts anderes beizutragen, als dafs ich dieselbe aufwerfe. 
Immerhin betrifft die Schwierigkeit nicht geradezu die Zeit¬ 
streckenvorstellung allein ; auch was in der Gestalt, zu den 
Ortsbestimmungen, die sie ausmachen, noch hinzukommt, ist 
dem direkten Festgehaltenwerden durch innere Wahrnehmung 
keineswegs besonders günstig, und ähnliches wäre auch sonst 
von den fundierten Inhalten zu sagen. Inzwischen ist dies 
freilich kaum mehr als die. schon oben berührte natürliche 
Gewichtsschwäche mancher Vorstellungen; dagegen erhellt die 
Besonderheit der Sachlage in betreff der Zeitstrecken am deut¬ 
lichsten aus einem Vergleiche mit der. Raumstrecke. Mehrere 
Ortsbestimmungen auf einmal gegenwärtig zu haben, berührt 
niemanden als irgendwie schwer zu erfüllende Aufgabe, indes 
die analoge Forderung bei der Zeit Bedenken wachruft, noch 
ehe . dabei eine allfällige Fundierung in Frage kommt. 
Insofern. man sonach hier durch die direkte Erfahrung 
ziemlich im Stiche gelassen ist, mufs es ohne Frage als ein 
nicht unerheblicher Vorzug des oben angetretenen Beweises 
gelten, dafs derselbe einen Einblick in die Art und Weise 
bietet, wie die Vorstellung des Dauernden zu stände kommt.. 
Gleichwohl drängt, sich angesichts der. Empirie noch ein Ein¬ 
wand. auf gegen die Deduktion und deren Ergebnis. Ist durch 
dieselbe, SO; mufs man fragen, nicht beträchtlich zu viel be¬ 
wiesen?: Das Eine scheint doch die...Erfahrung aufs deutlichste 
zu zeigen, dafs es nicht nur Zeitstrecken sind, welche unser 
Denken dort beschäftigen,, wo es. sich der Zeit zuwendet.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.