Bauhaus-Universität Weimar

Beiträge zur Theorie der psychischen Analyse. 
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Es hat vielleicht befremdet, dafs in der obigen Formulierung 
nur von einer Fläche die Rede war; in der That ist es gegem 
über der Gleichartigkeit der drei Raumdimensionen sehr auf¬ 
fallend, vielleicht übrigens für die : Psychologie der Raum-' 
Vorstellung nicht ohne charakteristischen-Wert, dafs die dritte 
Dimension die Einbeziehung in das Extensionsprinzip nicht zu 
gestatten, oder genauer, sie nicht zu verlangen scheint. Aber 
man wird sich ; der Thatsache eben nicht verschliefsen können, 
dafs dem Prinzip in seiner Anwendung auf die dritte Dimension 
die Evidenz fehlt, die ihm für die beiden anderen Dimensionen 
eigen ist. Will sich doch schon die gelegentlich1 in Anspruch 
genommene Evidenz dafür nicht recht einstellen, dafs alles in 
den zwei ersten Dimensionen ausgedehnt Vorgestellte auch 
nach der dritten Dimension bestimmt vor gestellt werden müsse. 
Was sollte es aber vollends zu bedeuten haben, wenn man in 
betreff einer Farbe hinsichtlich der dritten Raumdimension 
analoge Anforderungen stellen wollte, wie solche hinsichtlich 
der ersten und zweiten im Sinne'des Extensionsprinzipes selbst¬ 
verständlich sind ? 
Blicken wir von hier zurück, so können wir jedenfalls 
sagen: Das Extensionsprinzip gilt für Qualitätscontinua allein 
gar nicht, für Continua lokalisierbarer Qualitäten unter Mit-: 
berücksichtigung des räumlichen Momentes keineswegs unein¬ 
geschränkt. Wir werden uns also davor zu hüten haben, bei 
Übertragung des Prinzipes auf das Zeitmoment mit allzu sum¬ 
marischer Zuversichtlichkeit zu Werke zu gehen. 
Vorerst bewährt sich die sonst so vielerprobte: Analogie 
zwischen Raum und Zeit insofern aufs beste, als die Über¬ 
tragung des Extensionsprinzipes vom Raume auf die Zeit ohne 
weiteres . gelingt. Wieder denkt - niemand daran, etwa die 
Möglichkeit eines isolierten Zeitpunktes ohne Vergangenheit 
und Zukunft noch durch ein besonderes Prinzip abzulehnen; 
vielmehr sind es nun die zeitlichen. Qualitäten, denen die 
Möglichkeit punktueller Existenz in der Zeit abgesprochen, 
von denen also behauptet wird, dafs sie nur an oder in einer 
Zeitlinie existieren können, die zu ihnen auch der Qualität nach 
kein Discontinuum ausmacht. Es gilt nun nur noch, dieses 
zeitliche Extensionsprinzip auf den für das eigentliche Objekt 
1 Stumpf, Über den psychologischen Ursprung der Baumvorstellung, S. 1.76 ff.-
        

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