Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Benjamin Yves Gilman: Syllabus of lectures on the psychology of pain and pleasure. American Journ. of Psychology, Bd. 6, S. 1-60, 1893
Person:
Cohn, Jonas
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15484/2/
Litter aturbericht. 
409 
Gewöhnung ausüben. Alle Eindrücke, welche eine vorhandene Gewohn¬ 
heit stärken, wirken lustvoll; alle die dagegen, welche sie schwächen 
oder durchkreuzen, unlustvoll. Eindrücke, die ohne Einflufs auf die 
Gewohnheiten sind, z. B. oft wiederholte Eindrücke, die eine eingewurzelte 
Gewohnheit nicht mehr verstärken können, sind für das Gefühl indifferent. 
Man wird dieser Theorie kaum beistimmen können, da sie die Gefühls¬ 
töne nicht elementar genug fafst. Es wäre z. B. kaum ohne Künstelei 
möglich, den gefühlsmäfsigen Vorzug eines Tones vor einem Geräusch, 
einer satten Earbe vor einem Grau nach derselben zu erklären. Ob sie 
aber auch nur die Beziehungen der Lust und Unlust zur Gewohnheit 
richtig erfafst, erscheint mindestens fraglich. Es ist zu wünschen, dafs 
diese Beziehungen einer genauen Untersuchung unterzogen würden. 
J. Cohn (Leipzig). 
Jambs H. Hyslop. Inhibition and the Freedom of the Will. Phil. Her. 
I. 4. S. 369—388. (1892.) 
Der Artikel wendet sich gegen den Determinismus. Menschliche 
Thätigkeit ist nur insoweit dem ehernen Kausalgesetz unbedingt unter¬ 
worfen, als sie reflexartig vor sich geht, ganz gleich, ob der äufsere 
Reiz von Empfindung begleitet ist, oder nicht. Anders, sobald die Vor¬ 
stellungssphäre mitspielt. Jetzt ist die Möglichkeit vorhanden, dafs die 
Wirkung, d. h. die menschliche Handlung sich nicht mehr unmittelbar 
an die sinnliche Reizung anschliefst, was nach H. nötig wäre, wenn 
zwischen beiden rein mechanischer Kausalzusammenhang bestände ; die 
Thatsache der Überlegung ist ihm daher die ratio cognoscendi 
für die hier eintretende Ungültigkeit des Kausalgesetzes. Und die ratio 
essendi? Die Kausalreihe im menschlichen Handeln, die durch die 
Reflexbewegung repräsentiert wird, findet eine Unterbrechung (in¬ 
hibition), der Reflexweg wird irgendwie abgesperrt und statt dessen 
die Vorstellungssphäre in den Verlauf eingeschaltet. Die nun resul¬ 
tierende Thätigkeit, d. h. die eigentliche Willenshandlung, hat nun nicht 
mehr in äufseren Reizen ihre Ursachen, sondern in Motiven, d. h. Vor¬ 
stellungen. Doch ist diese Art der Verursachung inkommensurabel zu 
der gewöhnlichen des mechanischen Kausalnexus aus folgenden Gründen: 
Erstens entspringen die Motive nicht äufseren Einwirkungen, sondern 
der Selbstinitia.tive, zweitens sind sie nicht blofse wirkende Ur¬ 
sachen (causae efficientes), sondern müssen, um dies zu werden, 
zugleich Endursachen (causae finales) sein; denn die Vorstellung des 
zu erreichenden Zweckes bestimmt die Richtung des Willens. 
W. Steen (Berlin). 
0. Rosenbach. Beitrag zur Lehre von den Regulationsstörungen der 
Muskelthätigkeit hei Taubstummen. Centralblatt f. Nervenheilk. und 
Psychiatrie. Mai 1893. 
Bei einer gröfseren Schar taubstummer Kinder beobachtete der Ver¬ 
fasser, dafs ihr Gehen und Laufen von stärkerem Geräusch begleitet 
war, als bei normalen Kindern gleichen Alters. Eine genauere Prüfung
        

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