Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Alfred Lehmann: Die Hauptgesetze des menschlichen Gefühlslebens, Von der kgl. dänischen Akademie der Wissenschaften mit der goldenen Medaille preisgekröntes Werk. Unter Mitwirkung des Verfassers, übersetzt von F. Bendxen. Leipzig, Reisland 1892
Person:
Meumann, Ernst
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15482/1/
Litteraturbericht. 
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wahrscheinlich ist, so würden doch die übrigen 90% auf andere Weise 
besser rechnen lernen. Sodann aber fragt es sich, ob sich bei den für 
die Anwendung von Zahlenbildern wirklich in Betracht kommenden 
Schülern nicht bereits bestimmte Vorstellungsweisen festgesetzt haben, 
gegen welche die vom Lehrer mitgeteilten wirkungslos bleiben, wie es 
ja bei der Verfasserin selbst der Fall ist, die auch in den Unterrichts¬ 
stunden immer nur nach ihrem eigenen oben mitgeteilten Schema, nicht 
nach dem für die Schülerinnen zu gemeinsamem Gebrauche aufgestellten 
hat rechnen können. 
Man wird also wohl auch ferner daran gut thun, die psychologische 
Methodik des Bechenunterrichts nach dem normalen Typus — das Wort 
im Sinne Ohaboots genommen — zu gestalten. Bei sorgfältiger Beob¬ 
achtung läfst sich alsdann leicht finden, ob ein Kind zum Gesichtstypus 
gehört, worauf es genau nach seiner Individualität zu behandeln ist. 
Hier bietet sich dem Einzelunterrichte ohne Zweifel ein dankbares 
Arbeitsfeld. 
Übrigens gilt dasselbe auch vom Gehörs- und vom Bewegungstypus, 
was der Verfasserin entgangen . zu sein scheint. Hierzu mag die in 
Bd. V. S. 340 dieser Zeitschrift von mir angezeigte Schrift Queyrats ver¬ 
glichen werden, Ufer (Altenburg). 
Alfred Lehmann. Die Hauptgesetze des menschlichen Gefühlslebens. 
Von der kgl. dänischen Akademie der Wissenschaften mit der goldenen 
Medaille preisgekröntes Werk. Unter Mitwirkung des Verfassers, 
übersetzt von F. Bendixen. Leipzig, Beisland, 1892. 356 S. 
i)as LEHMANNScbe Werk giebt in seinem ersten Hauptteile eine all¬ 
gemeine Erörterung von der „Natur der Gefühle“, ihres Verhältnisses zu 
den körperlichen Zuständen, zu den Empfindungen, Vorstellungen und 
Willenserscheinungen, sowie eine „Hypothese von der Natur des Gefühls“. 
Im zweiten Hauptteile folgt eine eingehende Behandlung der „speciellen 
Gesetze der Gefühle“, d. h. die komplexen Gefühlszustände, die Affekte, 
werden auf ihre elementaren Bestandteile und die Gesetze ihrer Kom¬ 
plikation hin untersucht. Endlich enthält der dritte Teil („Beitrag zur 
Systematik der Gefühle“) einen Versuch, das vorher erörterte Material 
systematisch zu ordnen. Der Referent wird sich gegenüber der Fülle 
des in diesen drei Hauptteilen gebotenen Stoffes darauf beschränken, 
diejenigen Partien herauszugreifen, die ihm originell und die der kritischen 
Erörterung ganz besonders bedürftig erscheinen. 
Der erste Abschnitt wird nach einigen historischen Vorbemerkungen 
eingeleitet mit begrifflichen Bestimmungen. Unter „emotionellen Ele¬ 
menten“ oder „Gefühlstönen“ will Verfasser die elementaren Bestandteile 
der Lust und Unlust verstehen, unter „Gefühlen“ schlechtweg die mit 
intellektuellen. Elementen gemischten, komplexen Zustände, als welche 
sich in Wirklichkeit die Gefühle stets repräsentieren sollen. Nachdem 
sodann der Gegensatz der Theorien hinsichtlich des Verhältnisses von 
Gefühlen und Vorstellungen erörtert worden ist (KANTische und
        

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