Bauhaus-Universität Weimar

Beiträge zur Theorie der psychischen Analyse. 
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liegt dem naiven Urteil nichts ferner, als die Beschränkung 
auf einen etwa unmittelbar vorliegenden psychischen That- 
bestand, und nichts näher, als die sofortige Bedachtnahme auf 
den im betreffenden Thatbestande etwa widergespiegelten 
aufsersubjektiven Sachverhalt. Demgemäfs wird auch die obige 
Frage, an den psychologischen Laien gestellt, seitens des letz¬ 
teren nur zu leicht eine seinem gewohnten Interesseuzuge ent¬ 
sprechende Umdeutung erfahren. Ist z. B. das C unserer Frage 
gehörte Musik, das a und b derselben etwa Klavier- und Sing¬ 
stimmenklang, den man bei genauerem Hinhören herausfindet, 
so wird die Frage leicht genug dahin aufgefafst, ob das vor 
dem genaueren Aufmerken Gehörte auch bereits Klavier und 
Gesang gewesen sei; das Ja liegt dann freilich auf der Hand, 
aber es betrifft nur die Konstanz der Heize, die mit Verände¬ 
rungen in den durch sie hervorgerufenen Empfindungen gar 
wohl zusammen bestehen könnte. 
Allerdings wird nun aber auch demjenigen, der die Frage 
richtig versteht, diese Konstanz der Heize eine sehr wichtige 
Sache bleiben, bietet sie doch die natürliche Grundlage, auf 
die Konstanz auch der Inhalte vor und nach der Analyse zu 
schliefsen. Zwar kämen solchem Schlüsse nur die Fälle zu 
statten, wo die Analyse sich auf Wahrnehmungsinhalte richtet; 
Fälle dieser Art werden ja aber weitaus die Regel darstellen. 
Kur bedeutet Konstanz einer Teilursache niemals einen strikten 
Beweis, sondern nur besten Falles eine Chance für Konstanz 
der Wirkung. Weifs man vollends geradezu, dafs eine andere 
Teilursache sich sicher geändert hat, sonach auf irgend eine 
Veränderung in der Wirkung fast ebenso sicher zu zählen ist, 
so schwindet in betreff der Annahme, dafs diese Änderung den 
Inhalt unberührt lasse, jeder Schein von Selbstverständlichkeit, 
und das Bedürfnis nach Hülfserwägungen oder geeigneteren 
Erkenntnismitteln macht sich unabweislich geltend. 
Direktere Aufschlüsse darf man sich einerseits von der 
unmittelbaren Erinnerung, näher dem auf diese gegründeten 
Wiedererkennen, das vom Vergleichen eines Gegenwärtigen mit 
dem Gedächtnisbilde eines Vergangenen noch ganz wohl zu 
unterscheiden ist, andererseits aber auch von diesem Vergleichen 
selbst erwarten. Einfach ist namentlich, was sich in betreff 
jener „Rekognition“ ergiebt, auf deren psychologische Natur
        

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