Bauhaus-Universität Weimar

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A. Meinong. 
Annahme meines Erachtens über jeden Zweifel gesichert. 
Vielleicht gelingt es, weiter unten hierzu Geeignetes beizu¬ 
bringen. Für jetzt sei als Ergebnis des bisherigen nur ver¬ 
zeichnet, dafs das herkömmliche Zutrauen auf die Analyse 
insofern wenigstens für berechtigt gelten kann, als angenommen 
werden darf, dafs niemals aus einer Vorstellung eine Qualität 
herausanalysiert wird, die nicht bereits in derselben enthalten 
war. In unseren Symbolen ausgedrückt: Führt die Analyse des 
G auf die Inhalte a, b und c, so ist C eine Komplexion und 
hat a, b und c zu Bestandstüeken.1 
II. 
Ich wende mich nunmehr der anderen, genauer der ersten 
von den beiden eingangs namhaft gemachten Voraussetzungen' 
zu, der gemäfs auf die Eventualität einer inhaltlichen Modi¬ 
fikation einer Vorstellung durch andere gleichzeitig gegebene 
Vorstellungen nicht Bedacht zu nehmen ist. Es fragt sich, 
ob die nähere Untersuchung auch in dieser Sache dem der 
Praxis geläufigen Vorgehen Recht giebt. 
Zunächst sei die Fragestellung etwas allgemeiner gefafst. 
Gesetzt, es werde zugleich m, n und o vorgestellt: ist, was in 
diesem Falle inhaltlich vorliegt, eben nur m, n und o, sozu¬ 
sagen ein objektives Kollektiv dieser drei Inhalte, oder ist es 
noch etwas darüber? Dabei verlangt der Ausdruck „objektives 
Kollektiv“, der zunächst nur terminologischer Verlegenheit 
entspricht, eine kurze Erklärung. Es existieren, wie jedermann 
weifs, in der Wirklichkeit gar vielerlei Komplexionen, d. h. 
Ganze, die aus Teilen bestehen, bei denen die Art und Weise, 
wie sich aus diesen Teilen das Ganze zusammensetzt, mit ein 
charakteristisches Stück der Beschaffenheit dieses Ganzen 
ausmacht. Es kommt aber auch nicht selten vor, dafs man 
die Dinge (genauer: die Vorstellungen von den Dingen) erst 
miteinander verknüpft, ohne dafs dieser in die Wirklichkeit 
gleichsam erst hineingetragenen Verknüpfung in dieser Wirk¬ 
lichkeit selbst etwas entspricht. Gleichwohl kann solchen 
künstlich gebildeten Komplexionen etwas Wirkliches als Anlafs, 
als Anregung zum Verknüpfen zu Grunde liegen, so dafs der 
Thatsache dieses Verknüpftseins gelegentlich die Bedeutung 
1 Übereinstimmend auch Stumpf, Tonpsychologie I, S. 107.
        

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