Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentelle Beiträge zur Untersuchung des Gedächtnisses
Person:
Müller, G. E. F. Schuman
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15468/54/
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G. F. Müller und F. Schumann. 
wirken, sick nur noch rückläufige Associationen bilden,' welche 
bewirken, dafs sich die Buchstabenreihe leej fal schneller ein¬ 
prägt. Wie aber beim Auswendiglernen des Silbenpaares laf 
jek die Buchstabenreihe jek eine erhebliche Tendenz erlangen 
kann, die Buchstabenreihe laf zu reproducieren, bleibt nach jener 
Ansicht unverständlich. Es ist also das von uns festgestellte 
Bestehen dieser Tendenz zugleich mit als ein Beweis für die 
von Löweneeld u. a. mit triftigen Gründen vertretene Ansicht 
anzusehen, dafs die Vorstellungen von Silben oder Wörtern im 
allgemeinen auf kollektiver Auffassung der die Silbe oder das 
Wort bildenden Buchstaben beruhende, einheitliche Vorstellungs¬ 
komplexe sind, die sich als einheitliche Vorstellungskomplexe 
mit anderen Vorstellungen associieren und durch andere Vor¬ 
stellungen reproduciert werden können. 
3. Wir haben an vier Versuchspersonen in fünf Versuchs* 
reihen (I—V) die sich leicht aufdrängende Vermutung bestätigt 
gefunden, dafs die vorwärtsläufige Association zweier un¬ 
mittelbar aufeinanderfolgender Silben bei trochäischer Erlernung 
der Silbenreihe viel stärker ist, wrenn die beiden Silben dem¬ 
selben Takte angehören, als dann, wenn sie Bestandteile ver¬ 
schiedener Takte sind. Es hängt also die Association zweier 
Silben nicht blofs von dem Grade ihrer Nachbarschaft in der 
Beihe, von der Anzahl der Wiederholungen der Beihe u. dgl. m. 
ab, sondern aufserdem auch noch von den rhythmischen 
Beziehungen der beiden Silben. Diese Abhängigkeit der 
Associationsfestigkeit von den rhythmischen Beziehungen der 
betreifenden Silben zeigt sich auch in der bereits oben an¬ 
geführten Thatsache, dafs die Association zweier durch eine 
Zwischensilbe voneinander getrennter Silben stärker ist, wenn 
beide Silben betont sind, als wenn sie unbetont sind. 
Der von uns in Versuchsreihe III, IV und V erbrachte 
» Nachweis, dafs zwischen der Endsilbe eines Taktes und der 
Anfangssilbe des nächstfolgenden Taktes eine, wenn auch 
schwache, so doch immerhin deutlich nachweisbare Association 
besteht, war nicht so ganz überflüssig, wie es von vornherein 
erscheinen könnte, ' da es Überlegungen giebt, welche es 
wenigstens begreiflich machen würden, wenn diese Association 
nicht in nachweisbarer Stärke bestände (S. 85). 
4. In Versuchsreihe XIII haben wir (an einer Versuchs¬ 
person) gefunden, dafs die erste Hälfte einer erlernten Silben-
        

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