Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentelle Beiträge zur Untersuchung des Gedächtnisses
Person:
Müller, G. E. F. Schuman
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15468/52/
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G. JE. Müller und F. Schumann. 
folgt, und dafs diese Reproduktionstendenz schwächer ausfällt, 
wenn die beiden durch mittelbare Folge sich assoziierenden 
Silben unbetont sind, als dann, wenn sie betont sind (Versuchs¬ 
reihe TI). 
2. Versuche von Ebbinghaus haben ergeben, dafs bei Er¬ 
lernung einer Silbenreihe sich auch rückläufige Asso¬ 
ciationen zwischen den Silben bilden. Diese Versuche von 
Ebbinghaus sind indessen insofern nicht ganz einwandfrei, als 
bei ihnen die aufeinanderfolgenden Silben gleichzeitig im 
Gesichtsfelde des Lernenden gegeben waren. Wir haben nun 
(in Versuchsreihe IX) festgestellt, dafs auch dann, wenn jede 
Silbe nur einzeln im Gesichtsfelde der Versuchsperson erscheint, 
bei trochäischer Erlernung der Silbenreihe die zweite Silbe 
jedes Taktes eine ins Gewicht fallende Tendenz erlangt, die 
ihr unmittelbar vorhergehende Silbe zu reproducieren. Aufser 
den numerischen Ergebnissen von Versuchsreihe IX sprechen 
auch noch gewisse in Versuchsreihe A gemachte Beobachtungen 
für das hier behauptete Verhalten. In dieser Versuchsreihe 
kamen nämlich Fälle vor, wo bei Erlernung einer Haupt- oder 
Vergleichsreihe (S. 165) eine Silbe der zu erlernenden Reihe 
diejenige Silbe ins Bewufstsein des Lernenden führte, welche 
ihr in der betreffenden Vorreihe unmittelbar vorhergegangen 
war. Hingegen ist kein Fall verzeichnet, wo eine Silbe einer 
Haupt- oder Vergleichsreihe diejenige Silbe reproduciert hätte, 
welche ihr in der betreffenden Vorreihe als Bestandteil des 
nächstfolgenden Taktes unmittelbar gefolgt war. Hiernach 
scheint es fast, als sei die Tendenz, welche die Endsilbe eines 
Taktes besafs, die ihr unmittelbar vorangegangene Anfangs¬ 
silbe desselben Taktes zu reproducieren, stärker gewesen, als 
die Tendenz derselben Silbe, die ihr unmittelbar gefolgte, einem 
anderen Takte zugehörige Silbe zu reproducieren. 
Wenn wir festgestellt haben, dafs die Endsilbe eines Taktes 
eine Tendenz besitzt, die ihr unmittelbar vorhergegangene 
Anfangssilbe desselben Taktes zu reproducieren, so ist damit, 
wie wohl zu beachten, noch keineswegs bewiesen, dafs bei 
einer Succession mehrerer Vorstellungen sich zwischen allen 
diesen Vorstellungen rückläufige Associationen bilden. Es ist 
noch zu beweisen, dafs bei Erlernung einer Silbenreihe sich 
auch zwischen zwei solchen unmittelbar aufeinanderfolgenden 
Silben, welche verschiedenen Takten angehören, rückläufige
        

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