Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentelle Beiträge zur Untersuchung des Gedächtnisses
Person:
Müller, G. E. F. Schuman
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15468/4/
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G. E. Müller und F. Schumann. 
zur Herstellung einer solchen Gleichartigkeit bestimmten Mafs- 
nahmen zu bewegen haben, sind aus demjenigen, was »wir 
früher (S. 98 f.) als Vorschriften für den Aufbau normaler 
Silbenreihen und als Gründe für diese Vorschriften angeführt 
haben, hinlänglich zu erkennen. 
Von der Notwendigkeit solcher Schritte, wie wir behufs 
Erreichung möglichster Gleichartigkeit der Silbenreihen unter¬ 
nommen haben, überzeugt man sich am besten, wenn man sich 
in die Lage eines Versuchsleiters hineindenkt, welcher sich 
zunächst vorgenommen hat, beim Aufbau der Silbenreihen, 
soweit es sich nicht um die Einführung willkürlicher Unter¬ 
schiede handelt, lediglich den Zufall walten zu. lassen, und 
welcher nun durch den Zufall einmal eine Silbenreihe erhalten 
hat, die, wie er mit Sicherheit erkennt, infolge der in ihr 
vorhandenen zahlreichen Erleichterungen (Anklänge an be¬ 
kannte Wörter, Allitterationen, Assonanzen u. dergl.1) ganz 
ungewöhnlich leicht oder infolge der in ihr verhältnismäfsig 
zahlreich vorhandenen besonderen Erschwerungen ganz un¬ 
gewöhnlich schwer ist. In solcher Lage wird der betreffende 
Versuchsleiter sich entweder sagen, dafs er nun leider eine 
gröfsere Anzahl (z. B. 10) Versuchstage blofs dazu brauche, um 
den dieser ungewöhnlich leichten oder ungewöhnlich schweren 
Eeihe entsprechenden abnorm geringen oder abnorm hohen 
Wert von w unschädlich zu machen, oder er wird sich dazu 
entschliefsen, diese Silbenreihe überhaupt nicht zuzulassen, und, 
um den Schein einer willkürlichen Beeinflussung der Versuchs¬ 
resultate zu vermeiden, dazu überzugehen, beim Aufbau der 
Silbenreihen bestimmte, zur Herstellung einer gröfseren Gleich¬ 
artigkeit derselben dienliche Vorschriften zu befolgen — ganz 
ähnlich, wie wir es gethan haben. 
Ebbinghaus, welcher bei seinen Versuchen zugleich stets 
selbst Versuchsperson war, konnte sich vielleicht sagen, dafs 
es keinen grofsen Unterschied für ihn ausmache, ob er be¬ 
sondere Mühe auf die gleichförmige Gestaltung der Silben¬ 
reihen verwende und alsdann eine nur geringere Anzahl von 
Silbenreihen auswendig lerne, oder sich beim Aufbau der 
1 Dem einen von uns beiden spielte einmal der Zufall die beiden 
Silben sauf doch als Anfangssilben einer Reibe in die Hände. Soll man 
nun eine solche Reihe unverändert lernen lassen?
        

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