Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentelle Beiträge zur Untersuchung des Gedächtnisses
Person:
Müller, G. E. F. Schuman
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15468/36/
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G. E. Müller und F. Schumann. 
Erlernung der Beihe, dem Ermüdungsgrade und anderen 
derartigen Faktoren ab. 
Aus dem hier geltend gemachten Gesichtspunkte dürfte 
auch die Thatsache zu erklären sein, dafs das Vorkommen einer 
oder mehrerer sprachlich schwieriger Silben in einer Silbenreihe 
die Erlernung der letzteren deutlich erschwert. Diese That¬ 
sache, so geläufig sie uns ist, kann befremden, wenn man 
bedenkt, dafs sprachlich schwierige Silben zugleich solche sind, 
welche eine gröfsere Konzentration der Aufmerksamkeit erfordern, 
und dafs eine gröfsere Konzentration der Aufmerksamkeit an 
und für sich die Einprägung in das Gedächtnis fördert. Diese 
Thatsache begreift sich aber völlig, wenn man bedenkt, dafs 
bei dem Lesen einer Silbenreihe das Quantum der aufzuwendenden 
Aufmerksamkeitsenergie nicht ins Beliebige gesteigert werden 
kann, sondern die Anspannung der Aufmerksamkeit, welche die 
sprachliche Bewältigung einer schwierigen Silbe erfordert, 
zugleich eine Verringerung der Aufmerksamkeitsenergie mit 
sich führt, welche auf die innerliche Synthese dieser Silbe mit 
den ihr nachfolgenden Silben und auf die anderen Silben über¬ 
haupt verwandt werden kann. 
Endlich ist der hier in Bede stehende Gesichtspunkt auch 
zur Erklärung der Ersparnisse heranzuziehen, welche in den 
Versuchsreihen I—V die Umstellungsreihen mit Taktschonung 
oder Taktlösung den zugehörigen Vergleichsreihen gegenüber 
ergeben haben, und welche überhaupt irgendwelche Umstellungs¬ 
oder Ersetzungsreihen den zugehörigen Vergleichsreihen gegen¬ 
über ergeben. Man betrachte z. B. die bedeutenden Ersparnisse, 
welche die Umstellungsreihen S„ nach den auf S. 113,123, 127 mit¬ 
geteilten Versuchsresultaten ergeben haben. Diese Umstellungs¬ 
reihen besitzen den Vergleichsreihen gegenüber den Vorzug, 
dafs in jeder von ihnen fünf aufeinanderfolgende Silbenpaare 
Vorkommen, deren jedes aus zwei durch die Erlernung der 
Vorreihen bereits miteinander associierten Silben besteht. 
Angenommen nun, die Aufmerksamkeit sei stets allen Silben 
und Silbenverbindungen einer zu erlernenden Beihe in ganz 
gleichmäfsiger Weise zugewandt, so wäre, wie es scheint, eine 
■Ersparnis bei Umstellungsreihen dieser und anderer Art über¬ 
haupt nicht zu erwarten. Denn um zwischen zwei solchen 
Silben, die nicht bereits bei Erlernung der Vorreihen miteinander 
associiert worden sind, den für das fehlerhafte Hersagen erforder-
        

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