Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentelle Beiträge zur Untersuchung des Gedächtnisses
Person:
Müller, G. E. F. Schuman
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15468/29/
Experimentelle Beiträge mr Untersuchung des Gedächtnisses. 
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liegt die Vermutung nahe, dafs die Erlernungsweise, bei 
welcher die zwölfsilbige, sinnlose Silbenreihe in zwei gleichartige 
Hälften zerfällt, in deren jeder die 1. und 5. Silbe besonders 
stark betont wird, diejenige Weise der Erlernung sei, welche 
aus irgendwelchem Grunde (bei Anwendung unseres Ver¬ 
fahrens, unserer Geschwindigkeit der Silbenvorführung u. s. w.) 
für Individuen unserer Art die bequemste ist und im Laufe 
der Zeit auch als solche erkannt und von selbst angenommen 
wird. Diese Vermutung kann indessen zur Zeit nicht als eine 
stark fundierte gelten, weil der Verdacht nicht ausgeschlossen 
ist, dafs die Versuchspersonen P. und Hn., welche mehr oder 
weniger oft bei Versuchen, wo einer von uns beiden lernte, 
anwesend waren, einfach durch unwillkürliche Nachahmung 
allmählich immer mehr unsere Betonungsweise angenommen 
hätten. Es dürfte von Interesse sein, wenn einmal an einem 
anderen Orte Beobachtungen in der hier in Bede stehenden 
Beziehung angestellt würden. Natürlich würde es von grofsem 
Vorteile sein, wenn sich die Versuche so anstellen liefsen, dafs 
man auf graphischem Wege und nicht blofs durch das Gehör 
Auskunft über die Betonungsverhältnisse der Silben erhielte. 
Ähnlich wie bei der trochäischen Erlernung werden ver¬ 
mutlich auch bei der Erlernung in anderen Taktarten einzelne 
Silben durch einen Hauptiktus ausgezeichnet werden. Doch 
haben wir hierüber keine genügenden Erfahrungen. 
§ 21. Das Verhalten der Atmung beim, Lernen. 
An das V orstehende schliefst sich die Mitteilung der 
Besultate an, die wir bei einigen (in den Jahren 1892 und 1893 
angestellten) Versuchen über das Verhalten der Atmung beim 
trochäischen Erlernen sinnloser zwölfsilbiger Beihen erhalten 
haben. Diese Versuche wurden in folgender Weise angestellt. 
Auf der metallenen Axe der Trommel, mittelst welcher 
die zu erlernende Silbenreihe in der üblichen Weise vorgeführt 
anbelangt, so wurden dieselben gleich von vornherein auf die uns am 
günstigsten erscheinende, von uns selbst eingehaltene Betonungsweise 
aufmerksam gemacht, damit möglichst wenig Zeit mit den Vor versuchen 
verloren werde, und damit die Versuchspersonen nicht durch Fälle, wo 
infolge ungünstiger Betonungsweise der Silben sehr hohe Werte von 
w erzielt würden, ganz entmutigt würden und die Lust zu den Versuchen 
verlören.
        

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