Bauhaus-Universität Weimar

Kleinere Mitteilungen. 
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subjektiven Stimmung des Lesers, sowie von dem mehr oder minder; 
spannenden Stil des Feuilletonisten abhängig zu sein. Durchschnittlich ist 
die Dauer des Überganges von “dem minderbewufsten zum klar bewufsten 
Zustande eine Minute. 
Die Erklärung dieser Erscheinung meine ich in folgenden Erwägungen 
suchen zu dürfen. — Im Hintergründe jeder psychischen Thätigkeit,, 
sozusagen im Dunstkreise des Nervensystems, möge sie in Gefühlen, Vor¬ 
stellungen, Begriffen und Worten ihren Ausdruck finden, schlummert eine 
ursprüngliche Empfindung, die jener den Ton, dem Bilde die Färbung 
durch ihr .Mitschwingen giebt, ohne dafs man unter gewöhnlichen Um¬ 
ständen sich dessen bewufst wird. Sie tritt erst ungehemmt hervor und 
verlangsamt die Perception bei einer gewissen Reizbarkeit und Schwächung 
des Nervensystems, wie auch Nachbilder nicht jederzeit und jedem zu 
Gesichte kommen. 
So weit hatte ich geschrieben, als ich zufällig in F. Th. VlSCHERs 
bekanntem „Auch Einer“, I!d. II, S. 375, auf folgende Stelle stiefs: 
„Wenn ich Poetisches gelesen habe, z. B. Jamben, und komme nachher 
an Prosaisches, so meine ich einige Minuten lang, es auch als Jamben 
lesen zu müssen. So ging es mir einmal mit einem Regierungsreskript. 
Zufällig liefen die ersten Zeilen ganz ordentlich. Ich las: 
Es wird | hiermit | dem Hör | zÖ glich | en Amt. 
Auf dön | Bericht | vom sechs | ten die j ses Mönäts, 
Bëtrêffs j dës Pä j ragrä | phën fünf | tind zwanzig 
Dër neu. | ën Pö | lizei | -Ordnung |-- 
Soweit ging’s, aber weiter nicht, das Folgende war nicht in Jamben zu 
bringen, und ich erwachte zur Prosa. Übrigens belehrender Beitrag 
zur Psychologie der Rhythmik oder eigentlich der idealen Nervenlehre. 
Fortschwingen des Rythmus fühlenden Nervs“ — und eine weitere Belag¬ 
stelle zu Ziehens Gefühls ton. 
III. Über eine subjektive Erscheinung im Auge. 
Von 
P. Zeeman 
in Leiden. 
Gelegentlich einer Untersuchung über das KERRsche magneto-optische 
Phänomen1 fiel mir bei Beobachtung mit dem BABlNETschen Kompensator 
eine Erscheinung auf, deren Ursache im Auge liegt. Da sie in der 
1 P. Zeeman, Metingen over het vers clyusel van Kerr. Leiden, 1893.
        

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