Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die geistige Ermüdung von Schulkindern. Beobachtungen nach statistischer Methode als Beitrag zur experimentellen Psychologie
Person:
Höpfner, L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15451/36/
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L. Hopfner. 
Tabelle auf S. 216) ist also-teils, auf Rechnung der Abnahme des 
reproduktiven Vorstellens der Schriftbilder, teils des Besinnens 
auf die besonderen »Schreibregeln zu setzen. 
Soweit eine hinreichende mechanische Einübung der Schreib¬ 
bewegungen bei diesen 9jährigen Kindern überhaupt schon 
vorausgesetzt werden darf, würde auch eine Ermüdung der 
„Bewegungsbilder“1 in Betracht zu ziehen sein. 
Wir haben noch kurz jene erste Klasse von Fehlern zu 
betrachten, die wir schon S. 210 gesondert behandelt haben, 
nämlich die Verstöfse gegen das Grofs-, resp. Kleinschreiben 
der Anfangsbuchstaben von Haupt-, Eigenschafts- und Thätig- 
keitswörtern. Auch für diese Fehler kann die psychologische 
Veranlassung komplizierter Natur sein. . Vorwiegend beruht- 
sie in einem Mangel der logischen Subsumtion oder der 
Erkennung eines Wortes — als zu einer jener Klassen ge¬ 
hörend —, und die stete Zunahme dieser Fehler würde die 
stete Abnahme dieser Erkennung bei fortschreitender Ermüdung 
anzeigen. Dann aber wird durch diese Fehler auch bewiesen, 
dafs auch die Schriftbilder, welche für jene logische Sub¬ 
sumtion vikariierend eintreten, sie also für den schliefslichen 
Effekt ersetzen könnten, im Zustande der Ermüdung diese ihre 
Funktion verlieren. Schliefslich gilt für die eingeübten mecha¬ 
nischen Schreibbewegungen dasselbe, was schon oben gesagt 
wurde. 
An dieser Stelle ist noch eine Bemerkung am Platze. In 
den Fällen zunehmender Wortamnesie infolge von „fort¬ 
schreitender Paralyse“ haben die Kliniker ein merkwürdiges 
Gesetz in der Reihenfolge der allmählich aus dem Gedächtnis 
schwindenden Wortklassen beobachtet. Sie fanden, dafs zuerst 
Eigennamen verschwinden, und dafs die anderen Wörter sich 
in der Reihenfolge ihnen anschliefsen, wie ihre Bedeutungen 
immer mehr an konkretem Charakter verlieren und an ab¬ 
straktem zunehmen. „Je2 konkreter der Begriff ist, desto eher 
versagt bei Abnahme des Gedächtnisses das ihn bezeichnende 
Wort. Dies hat wohl nur. darin seinen Grund, dafs die Vor¬ 
stellungen von Personen und Sachen loser mit ihren Namen 
verknüpft sind, als die Abstraktionen von ihren Zuständen, 
1 Besser: der Beiten von Bewegungsempfindungen. 
2 Kussmatjl a. a. O. S. 164.
        

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