Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die geistige Ermüdung von Schulkindern. Beobachtungen nach statistischer Methode als Beitrag zur experimentellen Psychologie
Person:
Höpfner, L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15451/23/
Über die geistige Ermüdung von Schulhindern. 213 
des erreurs dans le tracé habituel des lettres), während als 
erreurs psychiques seltsamerweise ausschließlich solche Fehler 
in Anspruch genommen werden, die gegen ganze Wörter 
(Auslassung, Ersetzung, Einschiebung von Wörtern) begangen 
sind. Endlich die fautes indéterminées sind nicht etwa solche, 
bei denen die Unterbringung in eine der anderen Kategorien 
überhaupt zweifelhaft war, sondern er begreift darunter nur 
diejenigen, weiche durch Korrigieren unleserlich geworden 
waren (dont le caractère n’a pu être reconnu par suite de 
ratures). 
Gegen diese Unterscheidung ist nun mehreres einzuwenden. 
Zunächst ist sie nicht vollständig. Ein der „inneren Sprache“ 
gleichwertiges Moment für das richtige Schreiben nach dem 
Diktat ist offenbar die Vergegenwärtigung des Schriftbildes. 
Diese ist in allen den Fällen unerläfslich, wo gleichlautende 
Wörter oder Silben, die aber verschiedene Schreibweise 
besitzen, geschrieben werden sollen. Sie kann durch das innere 
Klangbild nur da ersetzt werden, wo eine einfache Über¬ 
tragung' der gesprochenen Laute in Buchstaben stattfindet. 
Wenn es also Sikobski gelungen ist, alle Verstöfse gegen 
Buchstaben unter die beiden Kategorien der erreurs phoné¬ 
tiques und graphiques zu bringen, so kann dies nur durch 
eine gezwungene Subsumtion geschehen sein. 
Ferner sind auch die Beispiele, welche er für die Unter¬ 
scheidung der erreurs phonétiques und graphiques citiert, 
durchaus nicht einwandsfrei. Wenn z. B. acamédie statt 
académie geschrieben wird, so kann dies schon ein Fehler des 
inneren Sprechens sein. Ebensogut kann der Fehler aber auch 
erst beim Schreiben, also bei der Koordination des Klang¬ 
bildes und der Schreibbewegungen entstanden sein. Fehler 
wie tonnerrre statt tonnerre und spectatateur statt spectateur, 
■welche S. ebenfalls zu den phonetischen rechnet, dürften mit 
gröfserer Wahrscheinlichkeit als graphische, nämlich durch 
mechanische Wiederholung derselben schon zweimal erfolgten 
Schreibbewegung entstandene, in Anspruch zu nehmen sein. — 
Die statistischen Angaben Sikobskis über die procentuelle 
Zusammensetzung der Fehler1 nach diesen Gesichtspunkten 
sind also mit Vorsicht aufzunehmen. 
1 S. 462.
        

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