Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Eine bisher noch nicht beobachtete Form angeborener Farbenblindheit (Pseudo-Monochromasie)
Person:
König, Arthur
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15405/9/
Eine bisher noch nicht beobachtete Form angeborener Farbenblindheit. 169 
und ich möchte deshalb für sein Farbensystem den Namen 
„Pseudo-Monochromasie“ vorschlagen.1 
Sehen wir nunmehr zu, wie sich unsere Beobachtungen 
mit den verschiedenen Farbentheorien vereinigen lassen. 
1. Die HERiNösche Farbentheorie hat die angeborene totale 
Monochromasie in glücklicher Weise mit der Veränderung in 
Verbindung gesetzt, welche normale trichromatisehe Farben- 
systeme bei stärkster Herabsetzung der äufseren Reizintensität 
erleiden. Hr. Hering hat auf Grund seiner theoretischen An¬ 
sichten vorausgesehen und dann auch durch Beobachtung 
bestätigt, dafs die spektrale Helligkeitsverteiluug bei an¬ 
geborener Monochromasie mit derjenigen übereinstimmt, welche 
für normale Systeme dann eintritt, wenn die absolute Intensität 
des Spektrums so gering ist, dafs die Farbennuancen ver¬ 
schwinden und das ganze Spektrum nur in einem mehr oder 
minder hellen Grau erscheint. Ich selbst habe sehr bald darauf 
diese Thatsache ebenfalls beobachtet und dieselbe Beziehung 
auch zwischen monochromatischen und dichromatischen Farben¬ 
systemen nachgewiesen. Hr. Hering erklärt sie in der Weise, 
dafs bei dem monochromatischen System die Schwarz-Weifs- 
Substanz die einzig vorhandene Sehsubstanz ist, während 
sie in den anderen Farbensystemen die bei geringen Intensitäten 
allein zur Wirkung kommende Sehsubstanz ist, da die 
übrigen farbigen Sehsubstanzen höhere Intensitäten erfordern, um 
in Funktion zu treten. In beiden Fällen ist die Zersetzung der 
Schwarz-Weifs-Substanz also allein dasjenige, was die Ver¬ 
teilung der Helligkeit bewirkt. Bei Hrn. E. H. haben wir 
nun, wenn wir uns auf den Standpunkt der HERiNGschen Theorie 
stellen, anzunehmen, dafs die Rot-Grün-Substanz fehlt, während 
von der Blau-Gelb-Substanz nur Spuren vorhanden sind. Wie 
ist dann aber die von uns gefundene Helligkeitsverteilung zu 
erklären? Nach Hrn. Hering könnte sie doch nur sehr wenig 
1 Diese Bezeichnung ist eigentlich ebenso unrichtig, wie die Be¬ 
zeichnung „Monochromat“ für einen Total-Farbenblinden. Letztere sehen 
eben nicht alles in einer Farbe, sondern sie sehen es in der einen 
Reihe Schwarz-G-rau-Weifs. Man müfste sie demnach „Achromaten“ und 
den hier beschriebenen Fall „Pseudo-Achromat“ nennen. Da die Be¬ 
zeichnung Monochromat, Monochromasie sich aber einmal einzubürgern 
scheint und jeder mit der Sache Vertraute weifs, was er darunter 
zu verstehen, so mag jene unexakte Bezeichnungsweise beibehalten 
bleiben.
        

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