Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Verhältnis von Accommodation und Konvergenz zur Tiefenlokalisation
Person:
Hillebrand, Franz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15403/40/
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Frans Hillébrand. 
bei sprungweisem Wechsel, sofern nur der Sprung eine gewisse 
Gröfse überschritten hat. Ein kontinuierlicher Wechsel kann 
sozusagen aus infinitesimalen Sprüngen bestehend gedacht 
werden. Eine zufällig passende Schwankungsphase in der 
Accommodation führt also sofort zur völligen Deutlichkeit, und 
auf Grund dieses Umstandes wird die entsprechende Innervation 
automatisch fortgesetzt. Ist aber der Wechsel der Entfernung 
diskontinuierlich, so wird bei genügender Gröfse des Sprunges 
eine unwillkürliche Accommodationsschwankung vermöge ihres 
zu geringen Ausmafses noch nicht zum Deutlichsehen, sondern 
nur zu einer Verkleinerung der Zerstreuungskreise führen. Unter 
der Annahme nun, dafs die unwillkürliche Schwankung nur 
dann automatisch fortgesetzt wird, wenn sie sowohl dem Sinne 
als auch dem Ausmafse nach entsprechend ist, wird es erklärlich, 
dafs bei Sprüngen, die eine gewisse Gröfse überschreiten, ein 
willkürlicher und daher bewufster Impuls nötig ist, um deutlich 
zu sehen, und dafs erst in diesem Falle die Richtung der Ent¬ 
fernungsänderung erkannt wird. In dieser Weise scheint mir 
der obige Einwand lösbar. 
Dafs der eben noch sicher erkennbare Distanzunterschied 
durchwegs bei der Entfernung ein gröfserer sein müsse als bei 
der Annäherung, wie dies nach Wundts Angaben der Fall sein 
soll, habe ich nicht konstatieren können ; vielmehr haben die 
obigen Versuche gezeigt, dafs für gewisse Beobachter (Herr 
Springer und Herr Dr. Weiss) die eben erkennbare Entfernungs¬ 
differenz für die Entfernung eine kleinere ist, als für die 
Näherung. Es ist daher auch die Erklärung Wundts, „dafs wir 
es hier nur mit einem Specialfall des allgemeinen Gesetzes zu 
thun haben, demzufolge nur die aktive Zusammenziehung gewisser 
Muskeln von einem an die Bewegung gebundenen Gefühle 
begleitet ist, während dem Nachlafs der Zusammenziehung, 
der Erschlaffung niemals ein Muskelgefühl folgt“1 gegen¬ 
standslos, weil die Thatsache nicht besteht, die auf diese 
Weise erklärt werden soll.2 
1 A. a. O. pag. 326. 
2 Auch die andere Behauptung Wundts, „dafs innerhalb der 
Accommodationsweite heim Näherrücken des Gegenstandes der Durch¬ 
messer desselben auf die Unterscheidungsgrenze ohne Einflufs ist, 
während dieser Einflufs beim Fernerrücken ebenso merkbar wird wie 
hei allen Entfernungsschätzungen jenseits des Fernpunktes“, scheint mir
        

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