Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Verhältnis von Accommodation und Konvergenz zur Tiefenlokalisation
Person:
Hillebrand, Franz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15403/19/
Bas Verhältnis von Accommodation u. Konvergenz zur Tiefenlokalisation. H5 
näherung das „Accommodationsgefühl“ maßgebend sei, lasse sich „sogar 
objektiv nachweisen“. Die Annäherung wird nach Wundt schon wahr- 
genommen, wenn die scheinbare Gröfse des Gegenstandes „sich noch 
gar nicht merklich verändert hat“. „Anders,“ sagt Wundt, „ist dies mit 
der Entfernung des Gegenstandes. Diese wird erst bemerkt, wenn der 
Gegenstand durch Weiterrücken eine sichtbare Verkleinerung seines 
Durchmessers erfahren hat.“ Beim Näherrücken wird also die Ent¬ 
fernungsveränderung schon bemerkt, ehe noch eine: „sichtbare Ver- 
gröfserung des Durchmessers“ stattgefunden hat. Damit ist aber 
(ich verweise auf die obige Erörterung) nicht gesagt, dafs die Ver- 
gröfserung des Netzhautbildes gar keinen Einflufs hatte. Somit bleibt 
die im Texte erhobene Einwendung gegen die Deutung, welche Wundt 
seinen Versuchen zu teil werden läfst, in Kraft; es geht nicht an, den 
Standpunkt Wundts dadurch zu halten, dafs man annimmt, er habe bei 
dem Worte „scheinbare Gröfse“ nur an die Gröfse des Netzhautbildes, 
bezw. Gesichtswinkels gedacht. 
Auch eine andere Stelle läfst sich noch zum Beweise dessen bei- 
bringen. Wundt sagt pag. 334: „Entfernt sich also von zwei Objekten das 
eine um eine so geringe Gröfse, dafs sein scheinbarer Durchmesser sich 
nicht verändert etc. etc.“ Hier mufs doch der „scheinbare Durchmesser “ 
soviel sein wie der Durchmesser des Sehdinges; denn der Gesichts¬ 
winkel oder die Gröfse des Netzhautbildes ändert sich selbstverständlich 
bei der geringsten Entfernungsänderung des Gegenstandes. 
Wundts Tabelle der eben er kennbar en Entfernungsänderungen (pag. 330) 
ergiebt, wenn man die Gesichtswinkel daraus berechnet, stellenweise so 
kleine Differenzen, dafs es allerdings schwer wird, denselben bereits eine 
Wirkung auf die Gröfse der scheinbaren Entfernung zuzuschreiben 
(ergeben sich doch neben Differenzen von 20 bis 30 Winkelsekunden und 
darüber auch solche von blofs 8 bis 10 Sekunden), namentlich wenn der 
Vergleich kein simultaner, sondern ein successiver, durch kleine Pausen 
getrennter ist. Da aber bei Ausschlufs jeder Bildgröfsenänderung (z.B. bei 
Anwendung mathematischer Linien), wie wir sehen werden, Entfernungs¬ 
unterschiede vom Ausmafse der WuNDXscben keineswegs erkannt werden 
und somit die Accommodation keineswegs die ihr von Wundt zugeschriebene 
Bolle spielen kann, so bleiben zur Erklärung der Besultate, wie sie 
Wundt erhalten hat, nur zwei Wege: entweder waren gewisse, die Lokali¬ 
sation bestimmende Nebenumstände vorhanden, die Wundt vielleicht 
übersehen hat (z. B. Merkpunkte, welche durch Fasern oder sonstige TJn- 
regelmäfsigkeiten in den Fäden gegeben waren und durch ihre scheinbare 
Höhe über der Blickebene einen Anhaltspunkt zur Lokalisation boten, 
s- o.) oder die Versuche waren ganz frei von derartigen Fehlern : 
dann aber bleibt nichts übrig, als anzunehmen, dafs selbst jene sehr 
kleinen Gesichtswinkeldifferenzen doch schon hinreichend waren, um unser 
Urteil über die scheinbare Entfernung zu bestimmen. 
Es ist mir keine Untersuchung über die kleinsten, eben merklichen 
Sehwinkelunterschiede bekannt. Bei der Kleinheit der absoluten Werte, 
um die es sich in unserem Falle handelt, müfste eine derartige Unter¬ 
suchung, wenn anders sie über die Deutung der WuNDTSchen Versuche
        

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