Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Verhältnis von Accommodation und Konvergenz zur Tiefenlokalisation
Person:
Hillebrand, Franz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15403/16/
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Franz Rillébrand. 
sation geben. Indem ich ähnliche Versuche mit Anwendung 
eines feinen, straff gespannten Drahtes1 anstellte, bin ich 
zu ganz anderen Resultaten gelangt als sie die später zu 
beschreibenden Versuche mit den Schirmkanten ergaben; in 
Fällen, in denen die Kantenversuche gar keine Wahrnehmung 
einer veränderten Tiefenlage ergaben, konnte eine solche bei 
Anwendung des Drahtes schon mit Sicherheit konstatiert werden.2 
Dies kann nur an der Cfröfsenänderung des Netzhautbildes 
gelegen sein. 
§ 11. Da Wundt auf dieses Moment zu sprechen kommt, 
sagt er folgendes: 
„Immer jedoch ist innerhalb der Accommodationsgrenzen 
die scheinbare Gröfse auf das Urteil über die relative Lage 
zweier Gegenstände von untergeordnetem Einflüsse; bei weitem 
überwiegend ist hier der Einflufs der Accomodationsbewegungen 
selber.“ Und nach einigen Bemerkungen über das „Accommo- 
dationsgefühl“ fährt er zum Beweise für die eben citierte. 
Behauptung fort wie folgt: „Eine Annäherung des Gegen¬ 
standes wird nämlich schon wahrgenommen, wenn die schein¬ 
bare Gröfse desselben sich noch gar nicht merklich verändert 
hat, so dafs also die Accommodationsbewegung das einzige 
Moment ist, auf das jene Wahrnehmung möglicher Weise sich 
gründen kann.“ 8 
Dieses Argument scheint mir aus folgendem Grunde unzu¬ 
treffend: wenn sich das fixierte Objekt (hier der vertikale 
Faden) nähert, so wird doch jedenfalls das Netzhautbild 
gröfser; gerade aber, wenn diese Zunahme des Netzhautbildes 
nicht als Zunahme der scheinbaren Gröfse des Gegenstandes 
empfunden wird, gerade dann mufs sie als Abnahme der Ent¬ 
fernung empfunden werden. Es scheint, dafs Wundt hier die 
1 Dies ist immerhin noch eine etwas bessere Methode als die 
WuNDTSche. Denn hei den Fäden kommt nebst der Veränderung der 
Bildgröfse noch der Umstand hinzu, dafs sie wohl nie ganz ohne unter¬ 
scheidbare Details (abstehende Fasern, ungleichmäfsige Dicke u. dergl.) 
sind, die durch ihr Deutlich- oder Undeutlichwerden, sowie insbesondere 
durch die Änderung ihrer scheinbaren Höhe (vgl. unten S. 117) weitere 
Anhaltspunkte für die Lokalisation liefern. 
2 Ob die Dicke des Fadens oder Drahtes von vornherein bekannt 
ist oder nicht, thut nichts zur Sache; es genügt ja, wenn es derselbe 
Faden (Draht) ist, der in verschiedenen Entfernungen beobachtet wird. 
3 Beitr. z. Theor. d. Sinneswahrn. 3. Artikel, a. a. O. pag. 325—26.
        

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