Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über den Ursprung der richtigen Deutung unserer Sinneseindrücke
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15402/9/
Über den Ursprung der richtigen Deutung unserer SinneseindrücTce. 89 
zu welchen Zeiten man entsprechende Beobachtungen gemacht 
hat, Beobachtungen, die aufserdem zum grofsen Theil gar keine 
hinreichend specielle Beschreibung in Worten zulassen, sondern 
in voller Genauigkeit nur durch die Erinnerung an den früheren 
sinnlichen Eindruck wiedergegeben werden können. 
Wir erkennen dadurch, dafs auch Gedächtmifsbilder reiner 
sinnlicher Eindrücke als Elemente von Gedankenverbindungen 
benutzt werden können, ohne dafs es nothwendig oder auch 
nur möglich ist, dieselben in Worten zu beschreiben und sie 
dadurch begriffsmäfsig zu fassen. Olfenbar kommt ein grofser 
Theil der empirischen Kenntnifs des natürlichen Verhaltens der 
uns umgebenden Objecte in dieser Weise zu Stande. Für die 
Vorgänge einer solchen, dem inneren Wesen eines Schlusses 
entsprechenden Vereinigung sinnlicher Anschauungen scheint 
mir die vorher besprochene Verschmelzung der vielen per¬ 
spektivischen Ansichten eines Objects in die Vorstellung seiner 
Körperform in drei Dimensionen ein besonders anschauliches 
Beispiel zu sein. In der That vertritt die lebhafte Vorstellung 
der körperlichen Form alle die erwähnten perspektivischen An¬ 
sichten. Die letzteren lassen sich bei hinreichend lebendiger 
geometrischer Einbildungskraft aus ihr wieder herleiten. Ja 
selbst bisher noch nicht wahrgenommene Ansichten, wie sie 
bei der Anlegung von Querschnitten nach gewissen Sichtungen 
gewonnen werden könnten, sind als Folgerungen jener Vor¬ 
stellung daraus ableitbar. Und andererseits, wenn wir nach 
dem wahren Inhalt der Vorstellung eines nach drei Dimensionen 
ausgedehnten Körpers fragen, so ist doch keiner zu finden 
aufser den Vorstellungen von der Seihe der von ihm zu 
gewinnenden Gesichtsbilder, mit eventueller Vorstellung solcher, 
die durch Zerschneiden entstehen könnten. 
In diesem Sinne können wir behaupten, die Vorstellung 
der stereometrisehen Form eines körperlichen Objects spielt 
ganz die Solle eines aus einer grofsen Seihe sinnlicher An¬ 
schauungsbilder zusammengefafsten Begriffs, der aber selbst 
nicht nothwendig durch in Worten ausdrückbare Definitionen, 
wie sie der Geometer sich construiren könnte, sondern nur 
durch die lebendige Vorstellung des Gesetzes, nach dem seine 
perspektivischen Bilder einander folgen, zusammengehalten wird. 
Dafs eine solche mühelose Anschauung der normalen Folge 
von gesetzlich verknüpften Wahrnehmungen durch hinreichend
        

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