Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über den Ursprung der richtigen Deutung unserer Sinneseindrücke
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15402/3/
Über den Ursprung der richtigen Deutung unserer Sinneseindrücke. 83 
Kenntnifs gekommen sind, auch nicht, warum wir es für die 
eine Modification des Begriffes gebrauchen, bei einer anderen 
aber Anstand nehmen, dies zu thun. 
Ich schliefse aus diesen Beobachtungen, dafs wir durch 
häufige Wiederholung gleichartiger Erfahrungen dazu gelangen 
können, eine regelmäfsig immer wieder ein tretende Verbindung 
zwischen zwei verschiedenen Perception en, beziehlich Vor¬ 
stellungen, z. B. zwischen dem Klang eines Wortes und sicht¬ 
baren oder fühlbaren Anschauungsbildern, herzustellen und 
immer fester zu machen, die ursprünglich gar keinen natür¬ 
lichen Zusammenhang zu haben brauchen, und dafs, wenn dies 
geschehen ist, wir gar nicht mehr im Einzelnen anzugeben 
wissen, wie wir zu dieser Kenntnifs gekommen sind, und auf 
welche einzelne Beobachtungen sie sich stützt. 
Schliefslich finden wir, dafs wir nicht nur für unsere 
Muttersprache, sondern auch für gut erlernte fremde Sprachen 
einen Grad des Verständnisses erreichen können, bei dem wir 
ohne Nachsinnen und Überlegung im Augenblick den Sinn 
dessen verstehen, was der mit uns Sprechende uns mittheilen 
will, und dafs wir im Stande sind, den feinsten und mannig¬ 
faltigsten Modificationen seines Gedankens und seiner Em¬ 
pfindung dabei zu folgen. Wenn wir aber sagen sollen, wie 
wir zu dieser Kenntnifs gekommen sind, so können wir dies 
nur in der Eorm des allgemeinen Satzes aussprechen, dafs wir 
immer gefunden haben, dafs diese Worte in diesem Sinne 
gebraucht wurden. 
Wir kennen es aber als eine allgemeine Kegel der Wirkungs¬ 
weise unseres Gedächtnisses, dafs sehr oft in gleicher Weise 
wiederholte und immer in derselben Art der Verbindung 
zusammengeschlossene Eindrücke unter übrigens gleichen Be¬ 
dingungen eine viel dauerndere Spur ihrer selbst und ihrer 
Verbindung in uns hinterlassen und viel sicherer und schneller 
in dieser Verbindung wieder in das Bewufstsein treten, als 
solche, welche uns nur in zufälligen und wechselnden Ver¬ 
bindungen vorgekommen sind. 
Dieselbe Regel bestätigt sich auch in einer aufserordentlich 
grofsen Zahl anderer Fälle. Am ausnahmslosesten wird eine 
Verbindung zweier Beobachtungsthatsachen sich immer wieder¬ 
holen, wenn dieselbe durch ein Naturgesetz gefordert wird, 
welches entweder die Gleichzeitigkeit oder die regelmäfsige 
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