Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
P. Janet et R. Thamin: Cours de psychologie et de morale. Première année. Psychologie théorétique et appliquée, Paris, Delagrave, 1891, 410 S.
Person:
Ufer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15350/1/
Li ttemturberich t. 
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Verfasser beistimmen müssen, dafs C. die Priorität beanspruchen kann 
für Gedanken, die vielfach als das Ureigentum der englischen Philosophie 
angesehen werden. "Wir verzeichnen als solche : die Frage der Einfachheit 
der Empfindungen (die von C. verneint wird) ; die Aufstellung der Muskel¬ 
empfindungen als „Fundamentalempfindungen“; die Behauptung, dafs die 
spontanen Bewegungen des Kindes die Grundlage der Willensentwickelung 
bilden; die „untrennbare Association“; die Verwendung der Ideen der 
Vererbung und Entwickelung für die Erklärung der tierischen Instinkte ; 
die Idee einer vergleichenden Psychologie; die Verwertung des „Kampfes 
ums Dasein“ für die Gellschaftswissenschaft u. s. w. 
Die Arbeit Dewaules dürfte ein wertvoller Beitrag sein zu dem 
Nachweise des engen Zusammenhanges englischer und französischer 
Philosophie, den man nach den autobiographischen Mitteilungen englischer 
Philosophen längst vermuten mufste (Hdme, John Mill, Carlyle),, sie 
ergänzt damit die früheren Forschungen von Taine, Ribot, L. Ferri. 
Mbumann (Leipzig). 
P. Janet et R, Tha.mjn. Cours de psychologie et de morale. Première 
année : Psychologie thécrétique et appliquée. Paris, Delagrave, 1891, 410 S. 
Das Buch soll als Grundlage des Unterrichtes dienen, den die Zög¬ 
linge der französischen Volksschullehrerseminare in der pädagogischen 
Psychologie erhalten. Zu diesem Zwecke wird der- hierher gehörige 
Stoff in zwei gesonderten Teilen.behandelt; im ersten giebt Janet in 
kompendiarischer Form eine systematische Darstellung der Psychologie, 
und im zweiten redet Thamin von der Anwendung der Psychologie auf 
die Pädagogik. 
Was nun den Inhalt des ersten Teiles betrifft, so bürgt schon der 
Name des Verfassers für eine gute Leistung; anders aber steht es mit 
der Frage, ob sich eine derartige Behandlung des Stoffes für junge Leute 
empfiehlt, die zum ersten Male an die Psychologie herantreten. Referent 
möchte diese Frage verneinen. Für die allgemeinen Betrachtungen, die 
Janet sowohl an die Spitze des Werkes, wie auch an den Anfang jedes 
Abschnittes stellt, hat nur der ein Verständnis, der mit den Einzelheiten 
der psychologischen Wissenschaft bereits einigermafsen vertraut ist; der 
Anfänger aber wird leicht zu einem hohlen Wortwissen verleitet. In 
dieser Beziehung leidet das vorliegende Buch an demselben Fehler, wie 
die meisten deutschen Erscheinungen auf diesem Gebiete., 
Viel nutzbringender würde es für den Zweck der Verfasser gewesen 
sein, wenn von einzelnen pädagogisch wichtigen Erscheinungen des 
Seelenlebens, z. B. vom Gedächtnis, ausgegangen worden wäre, und zwar 
in induktiver Weise, wie es die moderne Naturwissenschaft verlangt. 
Die Werke von Ribot, Ebbinghaus, Dökpfeld und Fauth hätten hier 
wichtige Fingerzeige geben können. Von hier aus hätten sich alsdann 
auch die anderen Gebiete des Seelenlebens leicht erreichen lassen, und 
es: wäre- dann so recht klar geworden, wie die einzelnen seelischen Vor¬ 
gänge untereinander in engster Beziehung stehen, und wie verwickelt oft 
ein auf den ersten Blick ganz einfach scheinender Vorgang ist, So wäre 
nicht allein für gründliche psychologische Kenntnisse, besser gesorgt 
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