Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Nochmalige Ablehnung der cerebralen Entstehung von Schwebungen
Person:
Schaefer, Karl L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15348/4/
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Karl L. Schaefer. 
erregbar“ yon W. Wundt beginnt mit den Worten: „Niemand 
wird verkennen, dafs die Frage, die in dem vorstehenden 
Aufsatze, sowie in der sie veranlassenden Mitteilung des Herrn 
K. Schaefer verhandelt wird, ein Interesse besitzt, das weit 
über ihren unmittelbaren Gegenstand hinausreicht.“ Dies ist 
unzweifelhaft richtig; und ich mache daher auch nochmals 
besonders darauf aufmerksam, dafs von einer cerebralen Ent¬ 
stehung von Schwebungen erst dann im Ernst die Hede sein 
kann, wenn die Knochenleitungstheorie, also vor allem mein 
Experiment, vollständig und definitiv entkräftet ist. Herr 
Wündt wird wohl nicht umhin können, ausdrücklich dagegen 
Stellung zu nehmen. Denn sein Experiment, welches er an 
die Stelle desjenigen von Scripture setzt, schliefst allenfalls 
die äufsere Knochenleitung aus, bei welcher die Schall¬ 
wellen direkt aus der Luft auf die Schädelknochen übertreten, 
um von da aus zum Ohr zu gelangen. Gar nicht berührt wird 
aber dadurch die, wie ich glaube, wichtigere innere Knochen¬ 
leitung, wo die Schallwellen vom Trommelfell, mittleren und 
inneren Ohr aus über die Schädelbasis das andere Ohr er¬ 
reichen. Was andererseits den von Wündt citierten Versuch 
der Herrn Cross und Goodwin anlangt, so erscheint mir der¬ 
selbe überhaupt ziemlich nichtssagend. Denn, wenn diese 
Herrn eine Stimmgabel, welche zu leise ist, um, zwischen die 
Zähne gefafst, noch die Knochenleitung in Thätigkeit zu 
bringen, auf einen das Ohr verschliefsenden Wachspfropf setzen, 
so setzen sie sie damit eben auf einen Resonanzkasten. Dieser 
verstärkt aber die Intensität wieder in unberechenbarer Weise, 
und wiederum bleibt es erst zu beweisen, dafs diese Verstärkung 
nicht zur Ilervorrufung der Knochenleitung genüge. 
Somit ist, soweit ich sehe, der thatsächliehe Stand der 
Dinge : seit meiner Untersuchung über die Knochenleitung 
leisester Töne1 immer noch derselbe, nämlich der folgende: 
Dafs für die Schwebungen' zweier stärkerer, getrennt je 
einem Ohre zugeleiteter. Primärtöne die Vermittelung der 
Knochenleitung nicht ausgeschlossen werden kann, darüber sind 
wir wohl alle einig. Dafs dasselbe auch für schwächere und 
ganz schwache Töne gilt, ist mir nicht widerlegt worden. 
Kommen die Töne der Schwelle ganz nahe, so wird einerseits 
1 A. a. 0.
        

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