Bauhaus-Universität Weimar

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A. Schapringer. 
Grund von mehr oder minder gewagten Hypothesen über an¬ 
genommene Eigentümlichkeiten der Beizbarkeitsverhältnisse 
der Netzhaut zu erklären versucht worden. Die EiNTHOVENsche 
Theorie macht all diese gezwungenen Hypothesen überflüssig 
und erklärt alles mit spielender Leichtigkeit. 
Was den Vorteil der herabgesetzten Beleuchtung betrifft, 
so erklärt er sich aus der excentrischen Erweiterung der Pupille, 
wodurch die Pupillenmitte noch weiter von der Gesichtslinie 
abrückt. Ein Unterschied von nur wenigen Hundertsteln eines 
Millimeters in diesem Abstand wird eine deutliche Verschieden¬ 
heit in der Ausgeprägtheit der Gesichtstäuschung bewirken. 
Zur Erklärung des Umstandes, dafs die Erscheinung der 
„Flatternden Herzen“ im indirekten Sehen meist deutlicher auf 
tritt, als im direkten, brauchen wir das Faktum der mangelhaften 
Centrierung des Auges und die Gesetze des binokularen Sehens 
zunächst gar nicht in Betracht zu ziehen. Das Deutlicherwerden 
im indirekten Sehen hängt ab von folgenden drei Faktoren: 
1. der chromatischen Abweichung der brechenden Medien, 2. 
dem Abstand des vereinigten Knotenpunktes von Pupillen¬ 
ebene, und 3. von der Zunahme des Winkels zwischen der 
Bichtungslinie des beobachteten Objektes und der Augenachse. 
Ein Blick auf Fig. 1 lehrt, dafs, je weiter peripherwärts wir 
.auf der Netzhaut vorschreiten, um so mehr sich der Abstand 
zwischen dem blauen und roten Bildpunkt vergröfsert. Dies 
hat, wie erwähnt, mit der mangelhaften Centrierung nichts 
zu thun und würde auch in einem ideal vollkommen centrierten 
Auge statthaben. Da dieses Auseinanderweichen von Blau und 
Bot auf den peripheren Teilen der Netzhaut in den beiden Augen 
nicht in zur Mittellinie symmetrischem, sondern in identischem 
Sinne geschieht, so ist der Effekt hier nicht ein stereoskopischer, 
einen Tiefenabstand vortäuschender, sondern eine Verschiebung 
in einer und derselben Projektionsfläche, und es tritt dieser 
Effekt natürlich auch bei monokularer Betrachtung ein. 
Die Ansicht, dafs die Erscheinung der „Flatternden Herzen“ 
nicht von Eigentümlichkeiten des nervösen Apparats, sondern 
blofs von dem physikalischen Moment der Zerstreuung ab- 
hänge, wurde schon einmal vor vierzig Jahren von Dove auf¬ 
gestellt, ist jedoch unbeachtet geblieben. Eben dieser Forscher 
erwähnt auch eine Beobachtung, aus welcher er schlofs, dafs die 
Farbenzerstreuung im peripheren Teile des Gesichtsfeldes aus¬ 
geprägter ist, als im centralen.
        

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