Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentelle Beiträge zur Untersuchung des Gedächtnisses
Person:
Müller, G. E. F. Schumann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15342/44/
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G. E. Müller und F. Schumann. 
Es hat sich also die Übung während der ganzen Versuchs¬ 
reihe IV im Sinne einer allmählichen Herabdrückung der 
erforderlichen Wiederholungszahl geltend gemacht, obwohl P. 
schon im Anfänge der Versuchsreihe bei günstiger Tageszeit 
durchschnittlich nur die geringe Zahl von 12 Wiederholungen 
für die Erlernung einer Vorreihe brauchte. 
Von Interesse ist das Verhalten, welches der Einflufs der 
Zeitlage in dieser Versuchsreihe zeigt. Berechnet man für 
die bei der 1., 2., 3. u. s. w. Zeitlage erlernten Vorreihen der 
ersten und zweiten Abteilung dieser Versuchsreihe den Wert 
von wa, so erhält man folgende Resultate : 
Zeitlage 
l 
■2 
3 
4 
5 
6 
10 a 
10,2 
11,3 
11,5 
11,4 
12,5 
10,7 
Die erste Silbenreihe des Tages wurde hiernach durch¬ 
schnittlich schneller erlernt, als die nachfolgenden Silbenreihen. 
Der Wert von wa erreicht jedoch nicht bei der letzten, sondern 
bei der vorletzten Zeitlage sein Maximum. Bei Erklärung 
letzteren Umstandes kommt vielleicht ein Faktor in Betracht, 
den wir schon bei unseren Versuchen mit gehobenen Gewichten 
wirksam gefunden haben (Pflügers Arch., 45, 1889, S. 98). Wir 
fanden bei .diesen Versuchen, dafs, wenn an jedem Tage 
unmittelbar .hintereinander 6 Runden von Gewichtsversuchen 
angestellt wurden, alsdann der Einflufs der Ermüdung zuweilen 
nicht bei der 6. Runde, sondern bei der 5. Runde sein Maximum 
erreichte, und wir führten dies auf Grund unserer Beobachtungen 
darauf zurück, dafs bei der 6. Runde der Einflufs der fort¬ 
schreitenden Ermüdung zuweilen durch den gegenteiligen 
Einflufs überboten werde, den die Freude der Versuchsperson, 
dem Ende der so lästigen Beschäftigung nahe zu sein, auf die 
Energie der Gewichtshebungen ausübte. In ähnlicher Weise 
dürfte auch bei unseren Gedächtnisversuchen, insbesondere den 
hier in Rede stehenden, an P. angestellfen Versuchen, die 
Freude der Versuchsperson, endlich an der letzten Silbenreihe 
zu sein, den Einflufs der Ermüdung nicht selten mehr oder 
weniger ausgeglichen oder gar überboten haben.1 
1 Vielleicht hat auch der ziemlich starke Abfall, den der Wert 
w„ in Versuchsreihe III (S. 116) beim Übergange von der vorletzten zur 
letzten Zeitlage'erleidet, wenigstens'zu einem Teile seinen Grund in dem 
hier angedeuteten Faktor.
        

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