Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentelle Beiträge zur Untersuchung des Gedächtnisses
Person:
Müller, G. E. F. Schumann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15342/17/
Experimentelle Beiträge zur Untersuchung des Gedächtnisses. 
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J und II immer mehr unerläßlich erschien. Zunächst erwies 
sich das in diesen Versuchsreihen benutzte (geliehene) MAREYsche 
Kymographion als unzulänglich. Die Geschwindigkeit der 
rotierenden Trommel war nämlich weder konstant genug, noch 
liefs sie sich hinlänglich variieren. Man hatte nur die Wahl 
zwischen drei verschiedenen Rotationsgeschwindigkeiten, indem 
sich die Trommel auf drei verschieden schnell rotierende Axen 
(deren Umdrehungsdauer ca. 2, 10 und 30 Sekunden betrug) 
aufsetzen liefs. Benutzt wurde die mittlere Geschwindigkeit, 
bei welcher sich die Trommel .einmal in 10,1 Sekunden umdrehte. 
Hierbei waren aber die Zwischenzeiten zwischen den einzelnen 
Silben so grofs, dafs nicht ausgeschlossen war, dafs sich die 
Versuchsperson gelegentlich während einer solchen Zwischenzeit 
einen Teil der vorangegangenen Silben im stillen wiederholte. 
Um diesem Übelstande abzuhelfen, liefsen wir uns von der 
bewährten Hand des Herrn G. Baltzar in Leipzig einen neuen 
Rotationsapparat anfertigen, der mit Friktionsscheibe und ver¬ 
stellbaren Windflügeln versehen war und infolgedessen, sowie 
durch Veränderung des treibenden Gewichtes eine beliebige 
Variation der Geschwindigkeit innerhalb weiter Grenzen ver- 
stattete. Ein zweiter wesentlicher Vorzug dieses Apparates 
bestand darin, dafs man an der Stellung eines über einer Kreis¬ 
teilung sich bewegenden Zeigers die Anzahl der Rotationen 
der Trommel ablesen konnte. Der Versuchsleiter wurde dadurch 
des lästigen und störenden Geschäftes der Zählung der ein¬ 
zelnen Rotationen überhoben. Eine andere kleine Vorrichtung 
an dem Apparate ermöglichte, einen horizontalen Faden dicht 
vor der rotierenden Trommel in solcher Höhe aufzuspannen, 
dafs er gerade das Gesichtsfeld der Versuchsperson nach unten 
begrenzte. Da die Silben sich von unten nach oben bewegten, 
so wrar der Versuchsleiter durch diese Vorrichtung in stand 
gesetzt, zu kontrollieren, ob jede Silbe nicht blois richtig, 
sondern auch frühzeitig genug hergesagt worden sei, d. h. her¬ 
gesagt worden sei, bevor sie von der Versuchsperson überhaupt 
erblickt werden konnte. Der EinfLufs einer etwaigen Selbst¬ 
täuschung der Versuchsperson in letzterer Hinsicht war auf 
diese Weise völlig ausgeschlossen. 
Die Geschwindigkeit der rotierenden Trommel wurde 
mittelst einer Uhr, welche Fünftelsekunden angab, in der Weise 
reguliert, dafs die Zwischenzeiten zwischen den unmittelbar 
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