Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Georg Turic: Der Entschluß im Willensprocesse. Ztschr. f. exacte Phil. Bd. 19, S. 172–209 u. S. 237–281, 1892
Person:
Offner
PURL:
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Litteraturbericht. 
Gurnet durch die Terzenfolgen den Eindruck körperlicher Mattigkeit und 
Schlaffheit empfing. — In Bezug auf die Einzelheiten der übrigen Fragen 
mufs ich auf den Artikel seihst verweisen. W. Stern. 
Georg Turic. Der Entschlufs im Willensprocesse. Ztschr. f. exakte Phil. 
Bd. 19. S. 172-209 u. S. 237-281. (1892.) 
Nachdem der Verfasser, von dem wir zur Entschuldigung seines 
unerquicklichen Stiles glauben wollen, dafs das Deutsche seine Mutter¬ 
sprache nicht ist, als echter Herbart-Scholastiker sich zuerst mit den 
Häuptern der Schule über die Grundbegriffe auseinandergesetzt und für 
das Wollen drei Entwickelungsstufen: Besinnen, Erwägen, Beschliefsën, 
statuiert hat, legt er sich zunächst die Frage vor: Woher stammt in der 
Wollung die thätige Kraft, die im Entschlufsprocesse die Handlung als 
möglich und notwendig erscheinen läfst? 
Mit Herbart geht er davon aus, dafs jede ursprünglich unbewufste, 
durch materielle Reize hervorgerufene Bewegung von der Seele durch 
die Muskelempfindung begleitet und wahrgenommen werde. Die Be¬ 
trachtung dieser Muskelempfindung und des Verhältnisses zwischen 
Leib und Seele führt ihn zu Münsterbergs Willenstheorie, die er, so gut 
es eben geht, der HERBARTSchen Philosophie anzupassen sich bemüht. 
Durch das Nervenorgan sieht er es ermöglicht, dafs die sensorische Er¬ 
regung hinüberwirkt auf die motorische Bahn. Dieser unbewufste 
Bewegungsimpuls kommt also zu stände lediglich durch die Materie. Sie 
reicht allerdings nicht mehr hin, meint der Verfasser, plötzlich den 
MüNSTERBERGSchen Standpunkt verlassend, diese Erregungen zu einheit¬ 
licher Wirkung zu bringen. Das ist Aufgabe der Seele. Was von diesen 
äufseren Bewegungen gilt, das gilt auch von den inneren, besonders bei 
der Vorstellungsreproduktion. 
Es sind somit die Vorstellungen, welche von einer Empfindung 
reproduciert werden, sowie diese selbst, welche ihrerseits durch einen 
äufseren Reiz bedingt ist, nur die bewufsten psychischen Zeichen eines 
unbewufsten materiellen Bewegungsimpulses, welcher die zweckmäfsige 
Bewegung erzeugen soll. Diese Vorstellungen repräsentieren das ver- 
standesmäfsige Element, die Empfindung der ablaufenden Erregung 
das thätige Element im Entschlufsprocesse. 
Zur Beantwortung der zweiten Frage : Hat das Handeln selbst einen 
bestimmbaren Einflufs in dem Entschliefsungsprocesse? sucht er nach 
dem Charakteristikum des Handelns, sowohl des äufseren wie des inner4 
liehen, und findet es in der Bewegung. Die Vorstellung dieser Bewegung 
bezw. die Muskelempfindung und die sogenannte Gesamtvorstellung 
(vgl. Volkmann, Lehrb. d. Psych. §61—62) ist dasjenige Element der Hand¬ 
lung, welches die Ausführbarkeit derselben erkennen und ihre Zweck- 
mäfsigkeit beurteilen läfst, sowie der materiellen bewufstlosen Erregung 
die Richtung weist. Die Betontheit der Muskelempfindung giebt das die 
Thätigkeit hemmende Element, das an die Gesamtvorstellung geknüpfte
        

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