Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
E. Rosenbaum: Warum müssen wir schlafen? Eine neue Theorie des Schlafs. Inaug.-Dissert., Berlin 1892
Person:
Schaefer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15321/1/
S 60 
Litteraturbericht. 
Assoziation: diejenigen Vorgänge einleitet, welche zur Ausführung der 
gewünschten Bewegung führen. Von jenen Bestandteilen der Bewegungs- 
Vorstellung ist nach Charlton Bastian der auditive oder visuelle Be¬ 
standteil immer der zuerst eingeleitete, erst von ihm aus gelangt die 
Erregung auf Assoziationsbahnen nach den kinasthetischen zugehörigen 
Centren und von da nach den eigentlichen motorischen Centren. Verfasser 
hebt die Wichtigkeit jener sensoriellen Thätigkeit für die Ausführung 
von Willensbewegungen besonders hervor und weist sie an einem Falle 
von Aphasie, verbunden mit Agraphie, nach. Zum Schlufs wendet er 
sich gegen die Auffassung der kinästhetischen als motorischer Centren. 
Die Existenz kortikaler motorischer Centren für die Ausführung von 
Willensbewegungen anzunehmen, sei unnötig, vielmehr seien motorische 
Centren nur aufserhalb der psychischen Sphäre im verlängerten Mark, 
sowie im Rückenmark zu suchen. A. Pilzecker (Göttingen). 
E. Rosenbaum. Warum müssen wir schlafen? Eine neue Theorie des 
Schlafs. Inaug.-Dissert. Berlin 1892. 62 S. 
Im Anschlufs an RANKESche Versuche kommt Verfasser zu der An¬ 
sicht, dafs in dem während des Wachens fortwährend thätigen Nerven¬ 
system durch chemische Umsetzungen Wasser gebildet wird. Dieses 
Wasser wird nur durch die Lunge ausgeschieden und zwar weniger rasch 
als es sich in der Nervensubstanz ansammelt. Wenn der Wasserüberflufs; 
die Quellung der Nervenzellen, einen gewissen Grad erreicht hat, tritt 
der Schlaf ein. Warum das dann geschieht, also den Kernpunkt der 
ganzen neuen Theorie, überläfst Verfasser dem Leser zwischen den 
Zeilen herauszufinden. Er stellt sich offenbar vor, dais das zu reichlich 
vorhandene Wasser einfach mechanisch die Zufuhr frischer Substanz an 
Stelle der verbrauchten hindert und damit allerdings dies Weiter-Funk- 
tionieren auf hebt, dessen Sistieren als Schlaf bezeichnet wird. Ver¬ 
schwindet das Wasser während der Ruhe durch Exspiration, so treten 
die inzwischen im Organismus aufgespeicherten assimilierten Nahrungs¬ 
stoffe an seine Stelle, und die Nervenzellen werden wieder leistungsfähig, 
das Erwachen bereitet sich vor. — Gewichtige Stützen seiner Theorie 
bringt Verfasser nicht bei; ein um so luftigeres Gebäude von Neben¬ 
hypothesen erbaut er auf seinem Grundgedanken und krönt dasselbe mit 
der These, dafs die Intelligenz dem prozentualischen Wassergehalt des 
Gehirns umgekehrt proportional und nach diesem zu messen sei, wenig¬ 
stens beim Kinde. Im ganzen ist die Dissertation , schon wegen der 
fleifsigen historischen Übersicht über die ältesten und älteren Schlaf¬ 
theorien, für Interessenten immerhin lesenwert. Schaefer. 
H. Cornelius. Verschmelzung und Analyse» Vierteljahrsschr. f. wies. Philos. 
Bd. 16. S. 404—446 u. Bd. 17. S. 30—75. (1892 u. 1893.) 
Der Begriff der Verschmelzung ist seit Stumpfs bekannter Ver¬ 
wertung desselben in der „Tonpsychologie“ (II. 1890) mehrfach Gegen¬ 
stand psychologischer Diskussionen geworden. In der That hat er erst
        

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