Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Fr. W. Mott: Results of hemisection of the spinal cord in monkeys. Philosophical Transactions of the R. Soc. of London, Vol. 183, 1892), B., S. 1–60
Person:
Ziehen
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15296/1/
Litteraturbericht. 
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5. dafs die Ausdrucksbewegungen des Schmerzes erhalten sind. 
Formuliert man die Resultate in dieser Weise, so reihen sie sich 
widerspruchslos an andere sichere Beobachtungen (bei partiellen Exstir¬ 
pationen) an, ohne irgendwie an Bedeutung für die Erweiterung unserer 
Erkenntnisse und für die Korrektur früherer unsicherer Beobachtungen 
zu verlieren. — Das Umherwandern des Tieres „freiwillig“ zu nennen, 
erscheint Rezensent unzweckmäfsig. Es liegt im Hinblick auf andere 
Versuchsreihen und auf den Sektionsbefund viel näher, das Umherwandern 
auf die Reizung infrakortikaler Centren durch den fortschreitenden Er- 
weichungsprozefs zurückzuführen. Die Frage endlich, ob die Reaktions¬ 
bewegungen und Ausdrucksbewegungen, über welche das Tier noch ver¬ 
fügt, dahin zu deuten sind, dafs das Tier noch empfand und fühlte, 
oder ob dieselben lediglich als komplizierte, des psychischen Parallel¬ 
prozesses entbehrende Reflexe (automatische Akte im Sinne des Rezensenten) 
aufzufassen sind, läfst sich überhaupt nicht sicher entscheiden. Über 
solche Fragen kann nur das Selbstbewufstsein mit Sicherheit Auskunft 
geben. Die Argumente, welche Goltz zu Gunsten der ersten Alternative 
beibringt, sind nicht stichhaltig. So beweist z. B. die Intaktheit der 
Ausdrucksbewegungen gar nichts. Kennen wir doch Krankheitszustände 
bei dem Menschen, wo die kompliziertesten Ausdrucksbewegungen un¬ 
willkürlich und ohne den geringsten begleitenden Affektvorgang statt¬ 
finden (Maladie des tics). 
Ziehen (Jena). 
Fr. W. Mott. Results of hemisection of the spinal cord in monkeys. 
Philosophical Transactions of the B. Soc. of London. Vol. 183 [1892], 
B., S. 1—60. 
Verfasser experimentierte ausschliefslich an Affen (meist Macacus 
Rhoesus). Die Heilung der Operationswunde geschah stets per primam. 
Die halbseitige Durchschneidung fand meist im Dorsalmark statt. 
Die motorische Lähmung war stets gleichseitig. Die Muskulatur 
der Brust und des Abdomens liefs überhaupt eine Lähmung nicht deut¬ 
lich erkennen. Durchschnittlich kehrten nach 3 Wochen Bewegungen im 
Hüft- und Kniegelenk des gelähmten Hinterbeins wieder zurück, und 
zwar in der Regel in Gestalt assoziierter Beuge- und Streckbewegungen. 
Beim Gehen, Klettern und Springen waren dieselben mit Beuge- und 
Streckbewegungen des Fufses verbunden. Isolierte Bewegungen des 
Fufses , also z. B. Greifen (abgesehen vom Klettern) stellten sich erst 
viele Monate nach der Operation wieder ein. Die faradische Erregbarkeit 
der paretischen Muskeln blieb stets erhalten. Auch ergab ihre mikro¬ 
skopische Untersuchung einen normalen Befund. 
Die Sensibilität schien bei den gewöhnlichen Prüfungen (Hitze, 
Stich, faradischer Strom) beiderseits intakt. Nur reagiert das Tier auf 
gleichseitige Reize (d. h. auf Reizungen des gelähmten Beines) in der 
Regel langsamer, und es vergingen einige Wochen, bis das Tier gleich¬ 
seitige Reize richtig lokalisierte. Wurde hingegen die von Schiff vor¬ 
geschlagene Prüfung mittelst einer Klemme vorgenommen, so ergab sich 
stets, dafs das Tier, wofern die Augen verbunden waren, die Klemme
        

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