Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Joseph Jastrow: Studies from the laboratory of experimental psychology of the University of Wisconsin. Amer. Journ. of Psych. IV, 2, S.198–223
Person:
Pilzecker, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15292/1/
Litteraturbericht. 
337 
am Sclilufs in einer Art von Thesenform die hervorgehobenen prag¬ 
matischen Momente knapp und übersichtlich zusammenzustellen. Ebenso 
hat er am Schlufs der ganzen Arbeit die Grundzüge seiner Gesamtpragmatik 
in nicht weniger als fünfzig Thesen zusammengestellt. Als bedeutendster 
Zielpunkt, dem diese Entwickelung zustrebt, erscheint der „dynamistische 
Pantheismus“ Herders, der unter dem Einflüsse der Monadenlehre und des 
SHAFTESBUYschen Pantheismus das Unorganische beseelt, durch Über¬ 
tragung eines physiologischen Princips Hallers ins Psychologische die 
Grundzüge einer eigenartigen Psychologie ausbildet und die hei Eeimarus 
für das Gebiet des Organischen ausgebildete Idee einer Entwickelungs¬ 
reihe auf das Unorganische ausdehnt. In diesem Gedanken einer kos¬ 
mischen Entwickelungsreihe soll der Schlüssel zu Herders „Ideen“ liegen. 
Offenbar um für die nachzuweisenden Entwickelungen von Wolff his 
Herder einen möglichst weiten Spielraum, einen recht langen Weg zu 
gewinnen, macht er Wolff ganz unhistorisch zum reinen Cartesianer, 
d. h. zum Vertreter einer rein mechanischen Welterklärung. Trotz 
dieses Gewaltstreiches ist aber die eine grofse Zahl von Phasen durch¬ 
laufende Entwickelung bis auf Herder im Hauptpunkte doch kein eigent¬ 
licher Fortschritt, da sie in der Annahme einer universellen Beseeltheit 
auf der LEiBSizschen Monadenlehre beruhen soll. Als Weiterbildner 
Herders hinsichtlich der Idee einer geschichtlichen Wandelbarkeit des 
ästhetischen Ideals und der Forderung einer „Individualpsychologie“ 
erscheinen sodann Feder und Moritz. In Kants Ästhetik soll sich die 
schon vorher vorbereitete subjektivistische Umdeutung der Baumgarten- 
schen Vollkommenheits- oder Zweckmäfsigkeitsästhetik vollenden, doch 
unter gleichzeitiger Opposition gegen die subjektivistische Übertreibung 
ins Individualistische. Das transscendentalphilosophische Princip der 
KANTSchen Ästhetik und der Einflufs Burkes bleiben dabei gänzlich 
aufser Betracht. 
Den endgültigen Absehlufs aller dieser Entwickelungen findet der 
Verfasser endlich in Schillers Ästhetik. „Schillers Kunstideal enthält 
die Versöhnung und Verbindung der in der Geistesgeschichte des 
vorigen Jahrhunderts wirkenden Antagonisten. Das Wesen des Stiles 
in den ästhetischen Briefen beruht auf dieser Antithesenbildung mit 
vermittelndem Schlufs. Dieser Stil ist nicht die Äufserung eines 
individuell gestalteten Genies, sondern die monumentale Darstellung der 
kulturgeschichtlichen Gegensätze jener Zeit.“ (S. 431). 
In Summa : Die reichhaltige, geistvolle und scharfsinnige Darlegung 
des Verfassers mag für den, der schon Kenner dieser Periode ist, 
manchen anregenden Wink bieten, sie mag, wie der Engländer sagt, 
suggestiv sein : ein Hülfsmittel für eine erste sachliche Orientierung zu 
bieten, ist sie nicht geartet. A. Döring. 
Joseph Jastrow. Studies from the laboratory of experimental psycho¬ 
logy of the University of Wisconsin. Amer. Journ. of Psych. IV. 2. 
S. 198—223. 
Die unter obigem Titel veröffentlichten Arbeiten erstrecken sich 
auf die verschiedensten Gebiete. Wir erwähnen hier die Untersuchung 
Zeitschrift für Psychologie V. 22
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.