Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Gültigkeit des Newtonschen Farbenmischungsgesetzes bei dem sog. grünblinden Farbensystem
Person:
Brodhun, Eugen
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15288/2/
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Eugen Brodhun. 
Eine Anzahl Untersuchungen in Bezug auf diesen Gegen¬ 
stand beziehen sich auf Beobachtungen des neutralen Punktes 
der Farbenblinden, d. h. derjenigen Stelle im Spektrum, welche 
ihnen gleich dem unzerlegten weifsen Lichte erscheint. Als 
Hr. Preyer 1 diese Stelle der Wellenlänge nach bestimmte, fand 
er, dafs ihre Lage bei veränderter Lichtstärke eine andere 
wird, und zwar bei steigender Intensität sich nach dem violetten 
Ende des Spektrums hin verschiebt. Genauere Untersuchungen 
stellte Hr. A. König1 2 darüber mit Hülfe des HELMHOLTZschen 
Farbenmischapparates an. Er bedeckte die eine Prismenfläche 
mit weifsem Papier, welches mit einer Schicht Magnesiumoxyd 
überzogen war, und beleuchtete dasselbe mit Wolkenlicht, 
während die andere Fläche wie gewöhnlich monochromatisch 
erleuchtet wurde. Hie Intensität wurde dann bei der letzteren 
Fläche durch zwei vor den Spalt gestellte Nicols, bei dem 
weifsen Licht durch Abdecken eines Spiegels bewirkt, welcher 
das weifse Licht auffallen liefs. Hr. A. König erhielt dasselbe 
Resultat, wie Hr. Preyer; er fand, dafs bei hohen Intensitäten 
die Lage des neutralen Punktes unverändert ist, dafs sie aber bei 
niedrigen Intensitäten nach dem roten Ende des Spektrums 
wandert. Hie Bestimmung des neutralen Punktes ist nun aber 
offenbar nichts anderes, als die Herstellung einer Farben¬ 
gleichung zwischen homogenem Licht und einer komplizierten 
Mischfarbe, dem weifsen Licht. Hie erwähnten Beobachtungen, 
welche an mehreren Farbenblinden ausgeführt wurden, ergaben 
also Abweichungen vom NEWTONschen Gesetz, nach welchem 
die Farbengleichung von der Intensität unabhängig sein müfste. 
Hie Hrn. A. König und 0. Bieterici3 waren der Ansicht, 
dafs sich diese Abweichung nur auf einen sehr kleinen Teil 
des Spektrums erstreckt, und dafs sie mit der Absorption durch 
die Macula lutea in Zusammenhang stehe. Es soll hier gleich 
erwähnt werden, dafs Hr. Hering4 auch Bestimmungen des 
1 W. Preyer, Pflügers Archiv. Bd. 25, 1881; auch, separat erschienen 
unter dem Titel: Über den Farben- und Temperatursinn. Bonn 1881. 
2 A. König, Wied. Ann. Bd. 22. S. 567. 1884. Gräfes Archiv, Bd. 30. 
Abt. 2. S. 155. 1884. 
3 A. König und 0. Dieterici, Sitzungsber. d. Berl. AJcad. vom 29. Juli 
1886. S. 805. 
4 E. Hering, Lotos. Neue Folge. Bd.VI. 1885. Auch separat erschienen 
unter dem Titel: Über individuelle Verschiedenheiten des Farbensinns. Prag. 
1885.
        

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