Bauhaus-Universität Weimar

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B. Sommer. 
schreibend lesen, berührt also das Wesen des Falles Voit nicht. Am 
Schlüsse weist P. meine „Ausfälle gegen die Lehre von der Lokalisation“ 
mit dem bekannten Satz zurück, dafs die Entscheidung in dieser Frage 
nicht durch psychologische Erörterungen, sondern in der Klinik und am 
Sektionstisch erfolgen wird. Es wäre gut, wenn an letzteren Orten 
weniger theoretisiert, als beobachtet würde. Die Klinik und der Sektions¬ 
tisch bieten That Sachen, keine Theorien. Thatsache ist, dafs nach 
isolierten psychischen Ausfallserscheinungen oft Herderkrankungen ge¬ 
funden werden. Dafs Vorstellungen oder Erinnerungsbilder in den zer¬ 
störten Zellen „gesessen“ haben, ist die daran angeknüpfte Theorie 
oder vielmehr eine dem handgreiflichen Wesen der praktischen Medicin 
angepafste Bildersprache. Hiermit glaube ich Picks Irrtum, wonach ich 
gegen Beobachtungen streite, beseitigt zu haben. 
Meine Anschauung, wonach das Gehirn seiner ganzen Natur nach 
nur ein motorischer Apparat, eine Bewegungsmaschine ist und nur 
dies sein kann, will ich niemandem aufdrängen. Sie hat ebensoviel 
oder so wenig Berechtigung als die Anschauung, dafs Vorstellungen in 
Zellen sitzen ; nur ist sie konsequenter im Sinne einer atomistischen 
Naturerkenntnis, als die Vermengung von psychologischen und physi¬ 
kalischen Begriffen in der theoretischen Umgestaltung von Beobachtungen, 
wonach „Vorstellungen in Zellen sitzen“. — Im übrigen danke ich Herrn 
Prof. Pick, weil er versucht hat, meine Behauptungen zu unterstützen.
        

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