Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Oswald Külpe: Über die Gleichzeitigkeit und Ungleichzeitigkeit von Bewegungen. Wundts philos. Studien, Bd.VI, S.514–555 u. Bd.VII, S.147–168
Person:
Pilzecker, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15270/1/
Litteraturbericht. 
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erscheint, zu erklären. Er setzt dabei voraus, dal's die Täuschung nicht 
eintritt, wenn die Gewichte bereits am Anfang der Hebung in der Hand 
liegen, sondern nur dann, wenn die hebende Hand erst im Verlaufe der 
Bewegung auf den Widerstand des Gewichtes stöfst. Diese Voraussetzung 
ist indessen nicht richtig. Ich habe mich durch besondere Versuche mit 
den EECHNERSchen Gewichtsgefäfsen davon überzeugt, dafs die Täuschung 
auch in dem ersteren Falle in hohem Grade besteht. 
Ein grofser Teil der Abhandlung ist experimentellen Untersuchungen 
über die Genauigkeit der Schätzung von Eühlstrecken gewidmet. Die 
Versuche wurden nach der Methode der mittleren Fehler ausgeführt. 
Die Versuchsperson hatte einer Normaldistanz eine Vergleichsdistanz 
unter denselben oder unter anderen Bedingungen gleich zu machen. 
Untersucht wurde der Einflufs der verschiedensten Umstände auf den 
konstanten Fehler. „Die Berechnung der Resultate geschah folgender- 
mafsen: Bei den einhändigen Experimenten wurden die Normaldistanzen 
(N) angeordnet nach ihrer Länge, und die Abweichungen der Vergleichs¬ 
distanzen (V) von diesen wurden für jeden Einzelversuch in Prozenten 
berechnet (Y~^.100\ Aus den so erhaltenen Prozentwerten für alle 
Strecken, die unter gleichen Versuchsbedingungen von jeder Versuchs¬ 
person zurückgelegt waren, wurde dann jedesmal der Durchschnitts¬ 
prozentwert berechnet. Die Anzahl der Einzelexperimente, aua welchen 
dieser Wert erlangt wurde, war meistenteils 10—20. Dieser Wert zeigt 
den konstanten Fehler für die betreffenden Versuchsbedingungen und 
Versuchspersonen.“ — Dieser sogenannte konstante Fehler dürfte bei 
den zahlreichen Fehlerquellen derartiger Versuche eine sehr variable 
Gröfse sein, die wohl häufig bei den nächsten zehn Versuchen das ent¬ 
gegengesetzte Vorzeichen angenommen hätte. Die Resultate der Ver¬ 
suche sind-daher etwas reichlich unsicher. 
Die zweite Abhandlung ist im wesentlichen nur ein Auszug aus 
der ersten. Schumann (Göttingen). : . 
Oswalp Külpe. Über die Gleichzeitigkeit und Ungleichzeitigkeit von 
Bewegungen. Wundts philos. Studien. Bd. VI, S. 514—555 und Bd. VII, 
S. 147—168. 
Verfasser untersucht im Anschlufs an L. Langes Arbeit über den 
Reaktiönsvorgang und unter Benutzung derselben Versuchsanordnung, 
ob nicht auch für koordinierte Bewegungen (gleichzeitig intendiertes 
Aufheben beider Hände von einer Unterlage) die der Ausführung voran¬ 
gehende, beabsichtigte oder unbeabsichtigte psychophysische Dispositon 
von Bedeutung ist. Die Ermittelung der zeitlichen Beziehung des Eintritts 
beider Bewegungen zu einander geschah mit Hülfe des WüNDTSchen 
Chronographen, Die Reaktion erfolgte in vierfacher Form, indem zu den 
bekannten Typen der einfach muskulären und sensoriellen Reaktion noch 
eine sog. vorbereitete und eine unvorbereitete Willkürreaktion ein¬ 
geführt wurde, bei denen beiden die Versuchsperson erst einige Zeit 
nach empfundenem Reiz durch besonderen Willensimpuls, und zwar in 
ersterem Falle unter muskulär gerichteter Aufmerksamkeit, in letzterem
        

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