Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bericht über die Leistungen auf dem Gebiet der Anatomie des Centralnervensystems im Laufe des Jahres 1891, Selbstanzeige. Schmidts Jahrbücher, Bd.CCCXXXVI, S.161 ff.
Person:
Edinger, L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15265/7/
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Litteraturbericht. 
und gewinnen so einen ersten Einblick in den Aufbau des komplizierten 
Organs. Weitere wichtigere Arbeiten über die Rinde, namentlich über 
das markhaltige Faserwerk in derselben, sind von Kaes 1 und Bechterew 2 
veröffentlicht worden, und es hat schliefslich Sala 3, ein Schüler Golgis, 
eine neue Beschreibung des Ammonshornes gegeben, die sich auf voll¬ 
kommenste Metallimprägnation der Zellen und Auffärbung der mark¬ 
haltigen Fasern stützt. 
Im vorigen Bericht ist der Arbeiten Cajals gedacht worden, welche 
den Nachweis erbrachten, dafs aus den Epithelzellen der Nase eine 
Faserbahn hirnwärts führt, dafs diese sich im Riechlappen als Pinsel 
aufspaltet, und dafs diesem Axencylinderpinsel ein Dendritenfortsatz aus 
einer Hirnzelle entgegentritt, der sich zwischen seine Fasern wieder 
verzweigt. Gehuchten und Martin4 6 haben dem Bulbus olfactorius eine 
eingehende Studie gewidmet und sind ebenfalls zum Resultat gekommen, 
dafs die Riechnervenfasern in Kontakt mit Dendritenausläufern von 
Ganglienzellen des Gehirnes treten, mit anderen Worten, dafs die Über¬ 
tragung der Riechempfindung durch Kontakt geschieht. Einstweilen geht 
also wenigstens für diesen einen Sinnesvorgang ein sicherer Weg von 
der aufnehmenden Zelle in der Nase durch jenen Kontakt hindurch in 
eine Ganglienzelle des Gehirnes ; aus dieser entspringt ein weiter ins 
Hirn hinabziehender Axencylinderfortsatz. So wären mindestens für die 
Riech- und für die Sehbahn (siehe vorigen Bericht Monakow) die Faser¬ 
verhältnisse überraschend klargestellt. 
Neuerdings hat Keibel, dann Froriep 5 nachgewiesen, dafs es Seh- 
nervenfasern giebt, welche aus der Retina hirnwärts wachsen, und 
S. Ramon y Cajal 6 belehrt uns darüber, dafs mindestens bei den Vögeln 
der gröfste Teil der Sehnervenfasern in den optischen Centren des Mittel¬ 
hirns vollkommen frei mit reichlichen Aufzweigungen um dort liegende. 
Zellen herum endigt. Diese Axencylinder stammen wahrscheinlich aus 
inneren Zellen der Retina. Aufserdem aber enthält der Sehnerv auch 
Axencylinder aus Zellen, die in diesen Centren liegen; ihnen gehören 
wahrscheinlich die freien Aufzweigungen an, welche man in der Retina 
findet. Die CAJALSche Arbeit will den Nachweis erbringen, dafs die 
1 Th. Kaes. Die Anwendung der WoLTERSschen Methode auf die 
feinen Fasern der Hirnrinde. Vorläufige Mitteilung. Neurolog. Centr.-Bl. 
X, 15, p. 456. 1891. 
2 W. von Bechterew. Zur Frage über die neueren Assoziationsfasern 
der Hirnrinde. Neurolog. Centr. Bl. X, 22, p. 682. 1891. 
3 Luigi Sala, Zur feineren Anatomie des grofsen Seepferdefufses. 
Aus Golgis Laboratorium. Mit 2 Taf. Zeitschr. f. wiss. Zoologie. LII, 1, p. 18. 
L’anatomie fine de la fascia dentata Tarini. Verhandl. d. X. intern, med. 
Kongresses. II p. 153. 1891. 
4 A. van Gehuchten. et J. Martin. Le bulbe olfactif chez quelques 
mammifères. La Cellule. VII. 1891. 
5 Froriep. Zur Entwickelungsgeschichte der Kopfnerven. 1. Über 
die Entwickelung des Trochlearis bei Torpedo. Verhandl. d. anatom. 
Gesellsch. p. 55. 1891. 
6 S. Ramon y Cajal. Sur la fine structure du lobe optique des oiseaux 
et sur l’origine réelle des nerfs optiques. Internat. Mon.-Schr. f. Anat. u. 
Physiol. VIII, 9 u. 10. 1891.
        

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