Bauhaus-Universität Weimar

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Paul Hocheisen. 
Teile zu teilen. Wir geben sehr gerne zu, dals das mit 
einer absoluten Genauigkeit nicht geschehen kann, halten 
aber daran fest, dafs nach unserer Erfahrung bei einiger 
Übung die Möglichkeit vorhanden ist, eine Sicherheit des Ab¬ 
lesens zu erwerben, welche einer unbedingten Richtigkeit sehr 
nahe kommt. Die geringen Fehler im Ablesen, welche wir 
somit selbst zugeben, liegen bei einer ganz bestimmten Winkel¬ 
breite, nämlich bei 0,7° und 0,6°. Dieser Umstand hat seinen 
Grund darin, dafs sich das Auge gewisse Prädilektionsstellen 
im Geiste markiert, welche es sicher erkennt und stets mit 
derselben Ziffer benennt. Sehr leicht ins Auge fallen ein 
halber Grad (0,5°), ein viertel und drei viertel Grad, welche 
mit 0,3 und 0,8° angegeben werden, da halbe Zehntelgrade zu 
unterscheiden nicht nötig und nicht möglich ist. Einen Aus¬ 
schlag, welcher in der Mitte liegt zwischen 1,0° und 0,8° oder 
zwischen 0,5° und 0,3° bezeichnet der Beobachter ganz richtig 
und sicher mit 0,9° resp. 0,4°; anders verhält es sich mit den 
Intervallen zwischen 0,8° und 0,5°. Hier fallen auf den Zwischen¬ 
raum zwei Zehntel. Es ist bei der raschen Reihenfolge der 
Bewegungen dem Auge unmöglich, sich sicher für 0,7° oder 
0,6° zu entscheiden. Hier können also Ungenauigkeiten nicht 
ausgeschlossen werden, sind aber nicht von Bedeutung, da die 
Winkelbreiten 0,7° und 0,6° als Schwellenwerte beinahe nie in 
Betracht kommen. Zwischen den leicht markierten Punkten 
0,3° und 0° liegen ebenfalls zwei Zehntel Intervall. Hier gewöhnt 
sich das Auge rasch und leicht daran, einen Unterschied 
zwischen zwei Zehnteln zu machen. Deckt sich der Index vor 
Ausführung einer Bewegung mit einem Gradstrich, so ist leicht 
zu entscheiden, ob nach erfolgter Bewegung der Index näher 
dem Gradstrich oder dem geistig fixierten Strich von 0,3° 
liegt, und danach wird der Ausschlag mit 0,2° oder 0,1° bezeichnet. 
Wir glauben demnach, dafs wesentliche Fehlerquellen in 
der Technik nicht gelegen sind, wofür auch der Umstand 
spricht, dafs bei mehreren Personen Schwellenwerte gefunden 
wurden, welche mit den GoLDSCHEiDERschen, durch genaue und 
ganz einwandlose Methode gefundenen, vollständig überein¬ 
stimmen. 
Die Versuche wurden an dem von den Blinden am meisten 
gebrauchten Organ, der Hand, ausgeführt, und zwar war es 
das Handgelenk, das Metakarpophalangealgelenk und das erste
        

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