Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Theorie des Farbensehens: Erweitert nach einem auf dem psycholog. Kongreß zu London (August 1892) gehaltenen Vortrag, Inhaltsübersicht am Schluß
Person:
Ebbinghaus, Hermann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15261/81/
Theorie des Farbensehens. 
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Substanz, teils auf jenen gegenfarbigen Erregungen beruhen. 
Tabelle IV endlich reproduziert zur Erleichterung der Nach¬ 
prüfung die sämtlichen für D. gefundenen Mischungsgleichungen 
der KöNio-DiETERicischen Arbeit, unter gleichzeitiger Angabe 
der für sie erforderlich erachteten hypothetischen Korrek¬ 
tionen. 
Zum Verständnis der Kurven ist folgendes zu beachten: 
1) . Gegenfarbige Kurven sind so gezeichnet, dafs sie, bis 
zur Abscissenaxe verlängert, mit dieser gleiche Flächen ein- 
schliefsen. Die von der Blau- und Gelbkurve umzogenen 
Flächen sind also einander gleich und ebenso die von der Rot¬ 
und Grünkurve umzogenen, (dagegen haben die Flächen des 
einen Paares eine etwas andere Gröfse, als die des anderen). 
Durch diese Wahl der an sich willkürlichen Mafsstäbe gewinnt 
man einen anschaulichen und bequemen Ausdruck für den 
komplementären Charakter der Gegenfarben. Es werden dann 
nämlich komplementäre Mengen von diesen gerade durch 
(linear oder numerisch) gleiche Gröfsen repräsentiert. 
2) . Der Mafsstab für die Weifskurve ist so gewählt, dafs 
das aus der Vereinigung zweier gegenfarbigen Mengen resul¬ 
tierende Weifs gleich der Summe dieser (untereinander gleichen) 
Mengen gesetzt ist. Es ist also 
2 a W — a Gc -f- a Bl 
— aR -J- a Gr (wo a beliebig). 
Die nach dieser Festsetzung aus den Mischungsgleichungen resul¬ 
tierende Weifskurve hat eine auffallend geringe Höhe, auffallend 
namentlich, wenn man daran denkt, dafs Hering der Weifserregung ein 
viel gröfseres Gewicht vindiziert, als den chromatischen Erregungen. 
Die von ihr und der Abscissenaxe umschlossene Fläche beträgt knapp 
Vu der Gesamtfläche der chromatischen Kurven. Ich bemerke daher 
ausdrücklich, dafs ein wesentlich höherer Zug der Kurve nach den 
Mischungsgleichungen unmöglich ist ; aber, wie ich gleich hinzufüge, 
um der etwaigen Frage zu begegnen, ob dann diese kleine Weifskurve 
nicht vielleicht ganz entbehrlich sei: ein wesentlich niedrigerer Zug ist 
auch unmöglich. Dann geht, abgesehen von allen anderen Schwierig¬ 
keiten, die Beziehung zu den Farbenblinden verloren. 
Wird die objektive Helligkeit des Spektrums mehr und mehr ver¬ 
ringert, so nimmt natürlich die relative Höhe der Weifskurve allmählich 
zu, bis sie zuletzt, bei den schwächsten Lichtintensitäten, allein vor¬ 
handen ist. 
Zeitschrift fur Psychologie V. 
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