Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Theorie des Farbensehens: Erweitert nach einem auf dem psycholog. Kongreß zu London (August 1892) gehaltenen Vortrag, Inhaltsübersicht am Schluß
Person:
Ebbinghaus, Hermann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15261/71/
Theorie des Farbensehens. 
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Farbenblindheit). Natürlich kann die aus der Zersetzung 
der Sehstoffe entwickelte Energie durch eine solche centralwärts 
stattfindende Störung ihrer Bhythmisierung nicht geändert 
werden. Infolge davon bleibt auch die Helligkeit der Gesichts- 
eindrücke, trotz jenes Fortfalles ihres chromatischen Charakters, 
ganz ungeändert, wofern nur die leitenden Teile des Sehapparates 
überhaupt noch im stände sind, die ihnen übertragenen Beizungen 
wenigstens der Gröfse nach einigermafsen weiterzugeben (d. h. 
wofern noch Weifs in verschiedenen Schattierungen gesehen 
und unterschieden werden kann). Derartig erkrankte Individuen 
sehen mithin alles nur Grau in Grau, ganz wie die aus Mangel 
der chromatischen Sehstoffe Farbenblinden, allein sie unter¬ 
scheiden sich von diesen dadurch, dafs für sie die relative 
Helligkeit der verschiedenen . Stellen des Spektrums oder 
der äufseren Objekte ganz dieselbe ist, wie früher in ihrer Norm. 
2). Eine weitere relativ seltene Form der Farbenblindheit 
ist die sog. Violettblindheit (oder Blaugelbblindheit). Ihre 
charakteristischen Eigentümlichkeiten scheinen diese zu sein:1 
a) Objektiv weifses Licht wird nicht als rein weifs 
empfunden, sondern hat einen gelblichen oder grünlich-gelben 
Charakter. 
b) Objektiv dunkle Stellen des Gesichtsfeldes erscheinen 
dagegen unter Umständen schwach violett. 
c) Das Spektrum ist am violetten Ende verkürzt. 
d) Blaugrüne und blaue Farbentöne werden miteinander 
verwechselt und erscheinen wahrscheinlich grün. 
e) Irgendwo in der Gegend des Gelb hat das Spektrum 
eine neutrale Stelle, d. h. monochromatisches Licht dieser Stelle 
ruft denselben Eindruck hervor, wie das gelblich empfundene 
unzerlegte Licht. 
f) Zur Herstellung der Spektralfarben durch Mischung sind 
zwei Farben nicht hinreichend. 
1 Die Beobachtungen und Beschreibungen dieses Typus sind durch¬ 
weg recht mangelhaft und inexakt. Einen anscheinend hierhergehörigen 
Fall hat kürzlich Vintschgau zu untersuchen Gelegenheit gehabt (Pflügers 
Arch., Bd. 48). Aber trotz ihrer Umständlichkeit liefert auch seine Be¬ 
schreibung keine unzweideutige und genügend detaillierte Feststellung 
des Thatbestandes. Die obige Charakterisierung genügt daher keinen' 
strengeren Ansprüchen, als das Material zur Zeit gestattet. Übrigens 
sind in sie, der Einfachheit halber, auch einige Züge der sehr ähnlichen 
Santoninblindheit aufgenommen.
        

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