Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Theorie des Farbensehens: Erweitert nach einem auf dem psycholog. Kongreß zu London (August 1892) gehaltenen Vortrag, Inhaltsübersicht am Schluß
Person:
Ebbinghaus, Hermann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15261/19/
Theorie des Farbensehens. 
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In einer der Formulierungen ihrer Auskunft1 sagen König 
und Dieterici ausdrücklich, dafs (in der Nachbarschaft des 
Gelb) eine beträchtliche Menge blauen Lichts auf einer be¬ 
liebigen der beiden Seiten der Farbangleichungen 
beigemischt werden kann, ohne die Gleichheit zu stören. Sie 
haben also nicht nur dem homogenen Gelbgrün, sondern auch 
dem durch Mischung gewonnenen, dem, um die Theorie zu 
halten, schon 25—30% Sättigungsdifferenz gegen das andere 
zugeschrieben werden müssen, noch „beträchtliche“ Mengen 
Blau zumischen können, ohne dafs ein Unterschied gegen das 
blauarme homogene Licht aufgefallen wäre. Die Sättigungs- 
Verschiedenheit der beiden Farben müfste dadurch unter 
Umständen wohl auf 40 und mehr Prozent gestiegen und doch 
der Empfindung nicht bemerklich geworden sein. Wäre das 
wirklich der Fall, nun, so könnte man die ganzen Gleichungen 
aus der Gegend des Gelb ruhig streichen und wieder von 
vorne anfangen. Sind sie bis zu solchem Grade ungenau, 
kann man ihnen Zusätze von solchem Betrage nach Bedarf 
machen oder auch nicht machen, so kann man natürlich alles 
Mögliche aus ihnen herauskonstruieren und eben damit nichts 
Bestimmtes. Um nur die drei Grundempfindungen zu retten, 
durchschneiden die Autoren den ganzen Ast, auf dem sie sitzen, 
und erwecken indirekt lieber Mifstrauen gegen ihre überaus 
mühevollen und dankenswerten experimentellen Forschungen, 
als dafs sie einmal versuchen, vielmehr die Theorie nach jenen 
zurechtzubiegen. 
Mir scheint die Voraussetzung einer so weit gehenden Un¬ 
genauigkeit der Versuche ungerechtfertigt. Sie machen mir 
im Gegenteil, ganz abgesehen von ihrer sicheren physikalischen 
Fundierung, durch ihr oft vortreffliches gegenseitiges Zusammen¬ 
treffen durchaus den Eindruck der Zuverlässigkeit. Die mehr¬ 
besprochene und thatsächliche Unempfindlichkeit des Auges 
gegen Sättigungsunterschiede im Gelb und Gelbgrün wird 
freilich bei der Beurteilung der Gleichungen dieser Gegend in 
Betracht zu ziehen sein, aber sie kann entfernt nicht die Rolle 
spielen, die König und Dieterici ihr zuweisen möchten. Was 
hier eine Rolle spielt, ist vielmehr etwas ganz Anderes. 
Lassen wir einmal jene Unempfindlichkeit gegen Sättigungs- 
1 A. a. O., S. 328. 
11*
        

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