Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Benno Kerry: Über Anschauung und ihre psychische Verarbeitung. Vierteljahresschrift f. wissensch. Philosophie, 1885-1891, E. G. Husserl: Philosophie der Arithmetik. Psychologische und logische Untersuchungen, Erster Band, Halle-Saale, Pfeffer-Stricker, 1891, Chr. v. Ehrenfels: Zur Philosophie der Mathematik. Vierteljahrsschr. f. wissensch. Philosophie, 1891
Person:
Höfler, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit15231/7/
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Besprechungen. 
durchgehends auf' symbolische Zahlbegriffe eingeschränkt sind, den Sinn 
und Zweck der Anzahlenarithmetik bestimmt.“ 
Das erste Kapitel, „Die Entstehung des Begriffes Vielheit vermittelst 
desjenigen der kollektiven Verbindung“, zeigt, dafs man nicht sagen 
dürfe, „die Inbegriffe beständen blofs aus den Einzelinhalten. Wie 
leicht man es auch übersieht, so ist doch über die Einzelinhalte hinaus 
etwas da, was bemerkt werden kann und was in allen Fällen, wo wir 
von einem Inbegriff oder einer Vielheit sprechen, notwendig vorhanden 
ist: die Verbindung der einzelnen Elemente zu déni G-anzen“ (S. 13).— 
Übrigens sei es „nicht auf eine Definition des Begriffes Vielheit, sondern 
auf eine psychologische Cha r ak t e ri s t i k der Phänomene abge¬ 
sehen . ., auf welchen die Abstraktion dieses Begriffes beruht.“ 
Das zweite Kapitel, „Kritische Entwicklungen“, widerlegt neben 
einer Reihe anderer Theorien besonders auch die von Lange und Bau¬ 
mann. Sehr interessant ist die vom Verfasser gegebene nähere Aus¬ 
gestaltung der Versuche von Jevons, Sigwaet und Schuppe, die Vorstellung 
der Zahl rein auf die der Verschiedenheit zurückzuführen. Jevons : 
„„Number is but another name for diversity. Exact identity is unity, 
an with difference arises plurality . . Plurality arises when and only 
when we detect difference.““ Um die „reinen“ Vorstellungen der Zahlen 
2, 3, 4.. zu haben, hätten wir uns der durch die ^ symbolisierten Ver¬ 
schiedenheitsrelationen erster, zweiter.. Ordnung in den „Formen“ 
* für 2: AB, für 3: ABC, für 4: AB CD u. s. f. in abstracto bewufst zu 
werden. „So würde z. B. die aufserordentlich rasch steigende Kompli¬ 
kation jener Formen uns verständlich machen, warum wir nur von den 
kleineren Zahlen eigentliche Vorstellungen erlangen, während wir die 
gröfseren blofs symbolisch, gewissermafsen auf Umwegen zu denken 
vermögen.“ (S. 55.) So ausgestaltet sei die Theorie konsequent. Trotz 
ihrer Konsequenz und ihrer sonstigen Vorzüge sei aber auch die so 
vervollkommnete Theorie von der Zurückführung der Zahlen auf die 
Verschiedenheitsvorstellung nicht haltbar; denn: „Es ist wichtig, dafs 
man auseinander halte: zwei verschiedene Inhalte bemerken und: zwei 
Inhalte als voneinander verschiedene bemerken. Im ersten Falle 
haben wir, vorausgesetzt, dafs die Inhalte zugleich einheitlich zusammen- 
getafst werden, eine Inbegriffsvorstellung, im zweiten eine Unterschieds¬ 
vorstellung. Nur dies ist richtig : wo eine Mehrheit von Gegenständen 
wahrgenommen wird, da sind wir stets berechtigt, auf Grund der 
einzelnen Inhalte evidente Urteile zu fällen, welche besagen, dafs ein 
jeder der Inhalte von jedem anderen verschieden sei; aber unrichtig ist 
es, dafs wir diese Urteile fällen müssen“. — Nach diesen Abweisungen 
wird als „psychologische Natur der kollektiven Verbindung“ im 3. Kapitel 
(S. 79) Angegeben : „Ein Inbegriff entsteht, indem ein einheit¬ 
liches Interesse und in und mit ihm zugleich ein einheit¬ 
liches Bemerken1 verschiedene Inhalte für sich heraushebt 
und umfafst. Es kann also die kollektive Verbindung auch nur erfafst- 
1 Vergl. zu dieser Doppelbestimmung (Interesse und Bemerken) 
das Bedenken von Hili.ebrand (Gotting. gel. Am. 1893. No. 4, S. 180).
        

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